Bundestagsvizepräsident Dr. h.c. Wolfgang Thierse lobte als Festredner das Engagement der Stiftung, die sich seit 1995 für Völkerverständigung und Integration einsetzt. Integration sei immer eine soziale Frage, betonte Thierse. Voraussetzung für eine gelungene Integration sei vor allem Bildung und insbesondere das Erlernen der Sprache des Landes, das sich Zuwanderer erwählt haben. Die von der Reuter-Stiftung geehrten Preisträger seien positive Beispiele von Menschen, die sich für integratives Zusammenleben und den Zusammenhalt in der Gesellschaft einsetzen.
Erfolgsgeschichte der Integration
In der Laudatio von Dilek Kolat auf die „Stadtteilmütter″ hob die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen beim Senat von Berlin hervor, dass die berufliche Qualifikation von Müttern nichtdeutscher Herkunft dazu diene, diese als Multiplikatoren zu befähigen, um in ihren ethnischen Gemeinschaften Familien bei der Integration in die deutsche Gesellschaft zu unterstützen. Dies sei ein für Deutschland beispielhaftes Projekt „für die Förderung von sozialer Verantwortung und Teilhabe″.
Mit den seit 2004 aktiven „Stadtteilmüttern erreichen wir Familien, die wir sonst nur schwer erreichen″, sagte Kolat. Gerade sozial benachteiligte Zuwandererfamilien würden die Hausbesuche der „Stadtteilmütter″ gerne annehmen, erläuterte die Senatorin. „Sie sprechen ihre Sprache″ – auch im übertragenen Sinne. Dilek Kolat lobte, das Projekt erfülle „in hohem Maße und auf ganz praktische Weise den Gründungsgedanken der Helga und Edzard Reuter-Stiftung, denn es befördert mit seiner Arbeit das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft in Deutschland und bringt die Integration in unserer Stadt voran″.
Der Wahrheit verpflichtet
Jury-Präsident Edzard Reuter würdigte in seiner Laudatio Michael Thumann als einen Journalisten, der „seit Jahren sein ganzes Wissen, seine ganze Begabung, seine ganze Neugier und seinen ganzen Mut dafür einsetzt, selbst verstehen zu lernen und uns verstehen zu lehren, was die Menschen bewegt und prägt.″ Thumann sei ein Vertreter eines „verantwortungsbewussten Journalismus’, … der Wahrheit verpflichtet, ohne seine eigene Meinung zu verstecken″. Er verfüge zudem über die Fähigkeit, „in unbestechlicher Klarheit überzeugend zu berichten, wie ungeheuer komplex die Welt geworden ist″.
Reuter erinnerte daran, wie schwer es sei, „unter dem Druck eines verwirrend komplexen Geschehens nach der Wahrheit zu suchen, wo es kein Schwarz und kein Weiß als verlässliche Maßstäbe gibt″. Journalistisches Verantwortungsbewusstsein dürfe sich deshalb weniger denn je kommerziellen Vorgaben unterordnen oder den strategischen Interessen der Medienhäuser beugen.
Michael Thumann arbeitet in Istanbul als Ressortleiter der Mittelost-Redaktion für die Wochenzeitung „DIE ZEIT″. In seinen Artikeln und Büchern informiert er seit Jahren über die unterschiedlichen Ethnien in der Region. Damit trage er dazu bei, dass den Leserinnen und Lesern ein differenziertes Bild der Menschen und ihrer politischen, religiösen und kulturellen Lebenswelten vermittelt wird, betonte Edzard Reuter.
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