Zertifizierungen im IT-Projektmanagement: Unternehmen fordern, Freelancer schludern

Bonn/Düsseldorf – Freiberufliche Projektmanager in der IT-Branche stecken in einem
Dilemma: Ihre Auftraggeber fragen in der Bewerbungsphase immer häufiger nach
Zertifizierungen. Doch gerade Freelancer schieben die Teilnahme an entsprechenden
Kursen auf. Das hat Konsequenzen: „Wir sehen den Trend, dass viele Unternehmen
Zertifizierungen im Projektmanagement fordern. Im Zweifel setzt sich der Bewerber durch,
der den entsprechenden Schein in der Tasche hat“, sagt Mark Hayes vom IT-
Personaldienstleister Harvey Nash http://www.harveynash.com/de/. 


Zwischen 70.000 und 80.000 IT-Selbständige gibt es in Deutschland, die meisten von
ihnen arbeiten als Projektmanager Entwickler, IT-Berater oder Systemintegratoren. Sie
haben als erstes vom Wirtschaftsaufschwung profitiert; viele Unternehmen wollen wachsen
und zugleich personalpolitisch flexibel agieren. Der Freelancer-Markt steht auch von
wissenschaftlicher Seite her im Fokus: So ist zum Beispiel gerade ein Projekt der Münchner
Universität der Bundeswehr angelaufen, sie untersucht die Arbeits- und Lebenssituation
von Freelancern im IT-Bereich (siehe: http://www.flink-projekt.de). Das Projekt wird vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Mehrere Monate Auszeit für einen Zertifizierungskurs
Die Anforderungen wachsen praktisch jedes Jahr, was viele Freiberufler auch auf dem
Schirm haben: „Ich höre in Gesprächen oft, dass fast jeder Projektmanager vorhat, an
einem Zertifizierungs-Kurs teilzunehmen. Aber viele schieben es immer wieder auf, weil sie
in Projekten gebunden sind“, sagt Hayes. Eine verständliche Haltung: Denn die
Nachweise – wie zum Beispiel „PMP“ oder „Prince2″ kosten viel Zeit und Geld: Während
eines großen Projektes einen Zertifizierungskurs einzuschieben, ist kaum machbar. Und
wer sich eine Auszeit nimmt, macht doppelt Minus: Während der Lernphase wird nichts
verdient und gleichzeitig viel ausgegeben. Trotzdem gehen einige Freelancer genau
diesen Weg: Sie nehmen sich eine mehrmonatige Auszeit und erarbeiten sich in Ruhe ihr
Zertifikat, berichtet Hayes. „Dann hat man zwar einen Honorarausfall, aber das Geld spielt
man langfristig wieder ein.“

Gerade größere Unternehmen haben Projektleitungsstandards eingeführt. Sie erwarten
von Projektleitern, dass sie dem Standard entsprechend arbeiten können. Ist der
Nachweis vorhanden, fällt es ihnen leichter, sich für einen Bewerber zu entscheiden.
Gerade bei hochqualifizierten Projektmanagement-Jobs sind Zertifizierungen ein Must-
Have, so Hayes. „Im Augenblick suchen viele Unternehmen starke Projektleiter für
Infrastruktur-Aufgaben, zum Beispiel für die Trennung eines Systems nach einem Firmen-
Teilverkauf.“ Neben dem technischen Knowhow müssen sich die Projektleiter im
Vertragsmanagement auskennen, etwa wenn sie tausende Software-Lizenzen aufteilen
oder Aufgaben zwischen ausgelagerten Dienstleistern neu organisieren. Wer nicht den
organisatorischen Überblick behält, erleidet schnell Schiffbruch.

Ob eine Projektleitung mit zwei Mitarbeitern ansteht oder eines mit 200 Mitarbeitern: Das
Zertifikat hilft bei jeder Gehaltsverhandlung, betont Personalvermittler Hayes. „Ein
Projektmanager mit einem Zertifikat erreicht höhere Stundensätze. Es lohnt sich definitiv.“