Deutsche Umwelthilfe fordert Agrarministerin Aigner
auf, im Fischereirat die Vorschläge der EU-Kommission für die
Fangmengen in der Ostsee zu unterstützen – Fangquoten von
EU-Kommissarin Damanaki folgen wissenschaftlichen Vorgaben und läuten
damit Reform der europäischen Fischereipolitik ein – Bundesregierung
hat jetzt die Chance, endlich eine nachhaltige Fischerei in der EU zu
befördern
Einen an wissenschaftlichen Empfehlungen ausgerichteten Kurs bei
der Festlegung der Gesamtfangmengen für die Ostsee-Fischbestände
fordert die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) von Agrarministerin Ilse
Aigner (CSU). Die DUH ruft Aigner dazu auf, die wissenschaftlich
fundierten Vorschläge von EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki für
Fangquoten zu unterstützen. „Diese Vorschläge sind die Grundlage für
eine längst überfällige nachhaltige Fischereipolitik und nur wenn die
Bundesregierung beginnt, nachhaltige Fangquoten zu fördern, haben
Dorsch, Hering und Sprotte in der Ostsee eine Chance“, sagte
DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. „Mit ihrem Eintritt für
nachhaltige Fangquoten in der Ostsee kann Ministerin Aigner zeigen,
dass sie die Zeichen der Zeit erkannt hat und sich für eine lange
überfällige Neuausrichtung der europäischen Fischereipolitik
einsetzen wird.“
Am Dienstag (26. Oktober) tagt der Fischereirat in Brüssel, bei
dem die zuständigen Minister der EU-Staaten über Fangquoten für
verschiedene Bestände in der Ostsee für 2011 verhandeln. Auf dem
Tisch liegt ein Vorschlag der Kommissarin, der weitgehend den
wissenschaftlichen Empfehlungen des Internationalen Rates für
Meeresforschung (ICES) folgt. Demnach sollen je nach Gebiet bis zu 30
Prozent weniger Hering gefischt werden. Die Fangquoten für Dorsch
(Ostsee-Kabeljau) dürfen nach den Analysen der Wissenschaftler nur
zwischen 6 und 15 Prozent steigen, damit der sich mühsam erholende
Bestand nicht doch noch zusammenbricht. Für andere Fischarten wie
Sprotte und Lachs fordern die Wissenschaftler deutlich niedrigere
Fangmengen als bisher. Die DUH unterstützt ausdrücklich die
Vorschläge von EU-Kommissarin Damanaki. „Sie sind ein wichtiger
Schritt hin zu einer Bewirtschaftung der Fischbestände mit dem Ziel
eines höchstmöglichen Dauerertrags“, sagte Dr. Nina Wolff,
Projektmanagerin Meeresnaturschutz der DUH. „Beim Weltgipfel in
Johannesburg 2002 haben sich alle EU-Mitgliedstaaten dazu bekannt,
die Fischbestände bis 2015 soweit aufzubauen, dass sie nach dem
höchstmöglichen Dauerertrag nachhaltig bewirtschaftet werden können.
Die meisten Bestände sind noch weit davon entfernt. Damanaki bewegt
sich in die richtige Richtung.“
Der höchstmögliche Dauerertrag bezeichnet die Höchstmenge an
Fisch, die einem Bestand jährlich entnommen werden kann, damit der
Fischbestand langfristig genutzt werden kann. Eine reduzierte
Befischung würde zu höheren Erträgen, also einer höheren
wirtschaftlichen Leistung des Fischereisektors führen. Hierfür
müssten Damanakis Vorgaben für die einzelnen Ostsee-Bestände nun
kompromisslos befolgt werden.
Die DUH fordert Agrarministerin Aigner daher dazu auf, sich
gemeinsam mit EU-Kommissarin Damanaki für Fangquoten auf
wissenschaftlicher Grundlage einzusetzen. „Die Festlegung der
Ostsee-Fangquoten im Fischereirat ist ein erster Test dafür, ob Maria
Damanaki ihre Reformziele 2012 wird durchsetzen können“, sagte Ulrich
Stöcker, Leiter Naturschutz der DUH. „Die Zeit für ein Umdenken ist
überreif: 72 Prozent aller untersuchten Fischbestände in EU-Gewässern
sind nach Angaben der Kommission überfischt.“
Hintergrund
Alljährlich schlägt die Europäische Kommission auf der Grundlage
wissenschaftlicher Empfehlungen Fangmengen vor. Der Europäische Rat
aus den für Fischerei zuständigen Ministern der Mitgliedstaaten hat
in der Vergangenheit regelmäßig Fangmengen beschlossen, die weit
jenseits dessen liegen, was wissenschaftlich vertretbar ist. Für 2010
betrug die Differenz zwischen wissenschaftlichen Empfehlungen und den
vom Rat beschlossenen Fangmengen 34 Prozent. Mit anderen Worten: Die
Fangquoten waren nicht geeignet, den Niedergang der Fischbestände
aufzuhalten.
Ihre Vorschläge für Fangmöglichkeiten 2011 verband die
EU-Kommission mit der Feststellung, es bleibe nicht mehr viel Zeit,
um das Ziel des höchstmöglichen Dauerertrags (Maximum Sustainable
Yield, MSY) bis 2015 zu erreichen. Die Vorschläge für die Fangmengen
der Ostsee sind der erste von vier Schritten in diese Richtung.
2012-2014 sollen weitere Anpassungen der Gesamtfangmengen pro Bestand
an das Ziel des höchstmöglichen Dauerertrags erfolgen. Für das Jahr
2011 muss der Rat sich im November auf Gesamtfangmengen für
Tiefseearten und im Dezember auf Gesamtfangmengen für das Schwarze
Meer, Atlantik, Nordsee und andere Gebiete einigen.
Bis zum 1. Januar 2013 will EU-Kommissarin Maria Damanaki die
Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) grundlegend reformieren. Ihr
Vorschlag wird bis Sommer 2011 erwartet. Mehrfach hat EU-Kommissarin
Damanaki gefordert, dass die Fangmengen auf der bindenden Grundlage
wissenschaftlicher Empfehlungen festgelegt werden; wissenschaftlich
fundierte Quoten sind ein Kernelement der Reform. Außerdem sollen für
möglichst alle Fischbestände Langzeitmanagementpläne eingeführt
werden.
Kommissionsdokument zu den Fangmengen für die Ostsee 2011:
Vorschlag für eine Verordnung des Rates zur Festsetzung der
Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in
der Ostsee (2011) / KOM/2010/0470 endg.,
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2010:047
0:FIN:DE:HTML
Ein Hintergrundpapier des Rats der Europäischen Union ist abrufbar
unter:
http://www.consilium.europa.eu/ueDocs/cms_Data/docs/pressData/en/a
gricult/117221.pdf
Die Pressekonferenz nach Abschluss der Beratungen am 26.10.2010
gegen 18:00 Uhr wird übertragen:
http://tvnewsroom.consilium.europa.eu
Pressekontakt:
Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer, Deutsche Umwelthilfe e.V.,
Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-15,
Mobil: 0151 550169 3, baake@duh.de
Ulrich Stöcker, Leiter Naturschutz, Deutsche Umwelthilfe e.V.,
Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-81,
Mobil: 0160 8950556, stoecker@duh.de
Dr. Nina Wolff, Projektmanagerin Meeresnaturschutz,
Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-84,
Mobil: 0170 8127346, E-Mail: wolff@duh.de
Ulrike Fokken, Sprecherin Politik & Presse,
Deutsche Umwelthilfe e.V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin,
Tel.: 030 2400867-86, Mobil: 0151 55017009, fokken@duh.de