Wissenschaftler für Magnetschnellbahn in Brasilien / Vorentscheidung im Verkehrsministerium am 3. August in Berlin / Angebot wird auch aus China für eine Magnetschnellbahn erwartet

Am 3. August treffen sich Industrie und
Politik im Verkehrsministerium in Berlin unter Leitung von
Staatssekretär Rainer Bomba zum Gespräch über die
Wettbewerbsbeteiligung am Projekt für Hochgeschwindigkeitsbahnen in
Brasilien. Es werden Teilnehmer aus der Industrie von der Siemens AG,
ThyssenKrupp AG, der IABG und der Max Bögl GmbH als ein Federführer
für das Magnetbahn-System erwartet. Renommierte
Verkehrswissenschaftler der Technischen Universität Dresden (TU
Dresden) und des International Maglevboard e.V. fordern deshalb
dringend im Vorfeld des Treffens, dass das deutsche
Magnetschnellbahnsystem dabei angeboten wird.

Das brasilianische Projekt für Hochgeschwindigkeitsverkehr sieht
vor, die Städte Rio de Janeiro, Sao Paolo und Campinas zu verbinden.
„Die über 500 km lange Hochgeschwindigkeitsstrecke wird den
umweltschädlicheren Flugverkehr weitgehend ersetzen“, sagt Prof. Dr.
Johannes Klühspies, Präsident des International Maglevboard e.V. „Es
handelt sich hierbei um eine der am dichtesten beflogenen
Kurzstreckenverbindungen der Welt“, so Klühspies weiter. Erste
Ergebnisse einer Vorstudie zu diesem Projekt haben auf der
topographisch anspruchsvollen Strecke erhebliche Vorteile für die
Magnetschnellbahntechnologie aufgezeigt. „Sie ist schneller und
erheblich kostengünstiger im Bau“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Rainer
Schach, Vorstandsmitglied im Kompetenzzentrum für Hochleistungsbahnen
und Magnetbahnsysteme an der TU Dresden. Sein Vorstandskollege Prof.
Dr. Arnd Stephan ergänzt: „Auf der Strecke zwischen Sao Paulo und
Campinas würden für herkömmliche Schnellzüge 44 km Tunnelstrecke
benötigt, die aufwendig gebohrt werden müssen. Bei einem Einsatz von
Magnetschnellbahnen wird dagegen die Tunnelstrecke um etwa 90 Prozent
auf 4 km reduziert“.

Verkehrsexperten erwarten, dass sich neben deutschen und
französischen Unternehmen auch japanische und chinesische Firmen an
der Ausschreibung beteiligen werden. Besondere Aufmerksamkeit hat
ein chinesisches Konsortium hervorgerufen, das nicht nur Schnellzüge
anbieten wird, sondern eine eigene Magnetschnellbahn nach deutschem
technischem Prinzip und zudem weitreichende, staatliche geförderte
Finanzierungskonzepte einzubringen scheint. „Wir erwarten durch das
Magnetschnellbahnangebot aus China eine Zäsur für den gesamten
Markt“, verdeutlicht Prof. Dr. Klühspies. „Dies wird voraussichtlich
erhebliche Auswirkungen auf laufende Hochgeschwindigkeitsprojekte
auch in den USA, Russland sowie Japan nach sich ziehen“.

Die deutsche Bahnindustrie hat sich bisher kaum mit Angeboten für
Magnetschnellbahnen an Ausschreibungen beteiligt. Ein Grund: hohe
Umsätze werden vor allem mit langjährigen Wartungs- und
Instandhaltungsverträgen bei Rad-Schiene-Systemen erzielt. Bei
Magnetschnellbahnen sind dagegen solche Aufwendungen wegen der
weitgehenden Verschleißfreiheit erheblich reduziert.

Information an die Redaktion:

International Maglevboard e.V.

Das Internationale Magnetbahnforum, mit Sitz in München, ist ein
gemeinnütziger Verband und vereint international führende Vertreter
aus Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet moderner
Transport-Technologien. Der Verband setzt sich weltweit für die
Fortentwicklung und sinnvolle Realisierung der
Magnetbahn-Technologien ein.

Kompetenzzentrum für Hochleistungsbahnen und Magnetbahnsysteme an
der TU Dresden Mit dem Kompetenzzentrum werden an der TU Dresden
vorhandene Forschungskapazitäten verschiedener
Wissenschaftsdisziplinen gebündelt und gemeinsam angeboten. Den
Schwerpunkt des Kompetenzzentrums bilden Forschung und Lehre sowie
die praxiswirksame Umsetzung innovativer Transport-Technologien.

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Rita Hirlehei, Kommunikation, Mobil 0173.5191646,
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