Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zu Wikileaks/Assange:

Niemand hätte sich für die Festnahme dieses
Mannes interessiert, wäre er nicht Julian Assange – jener Australier,
der mit der Veröffentlichung geheimer Dokumente die USA bloßgestellt
hatte. So aber überschlugen sich die Nachrichtenagenturen gestern mit
ihren Eilmeldungen. Dabei scheint es gar keinen Zusammenhang zwischen
den Vorwürfen der schwedischen Justiz und der Preisgabe der US-Akten
zu geben – auch wenn Assange eine US-Intrige vermutet. Wie die
Ermittlungen wegen angeblicher Sexualverbrechen in Schweden auch
ausgehen werden: Eine Auslieferung an die USA steht im Moment nicht
zur Debatte. Von einem wasserdichten »Fall Assange« ist der
US-Generalstaatsanwalt nämlich noch meilenweit entfernt. Denn in
keinem anderen Land sind Presse- und Meinungsfreiheit so weitreichend
geschützt wie in den USA. Mit Hinweisen auf die Verfassung urteilten
US-Richter etwa, das Verbrennen der Flagge sei eine erlaubte
Meinungsäußerung und das Verbot von Kinderpornos verstoße gegen die
Verfassung. Es wird schwer für die USA werden, Assange vor Gericht zu
stellen.

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Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
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