Bremen. Die Entschädigung der Bundesregierung für
die Kundus-Opfer ist offenbar nicht bei allen Hinterbliebenen
angekommen. „Mancher Dollar ist wohl in andere Kanäle geflossen“,
sagte die afghanische Parlamentsabgeordnete Habib Erfran dem Bremer
„Weser-Kurier“ (Sonntagausgabe). Nicht alle Witwen und Waisen hätten
die 5000 Dollar erhalten, die das Verteidigungsministerium den
Hinterbliebenen auf eine Kabuler Bank überwiesen hatte. Teilweise
hätten Männer das Geld abgehoben und nicht weitergegeben.
Die Politikerin und Frauenärztin Erfran aus Kundus hatte am
Donnerstag vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss des Bundestags als
Zeugin ausgesagt. Sie ist auch Mitglied des Rechercheteams des Bremer
Anwalts Karim Popal, der die zivilen Opfer des Nato-Bombardements vom
4. September 2009 ermittelte.
Das Verteidigungsministerium wollte die Möglichkeit des
Missbrauchs nicht ausschließen, sieht aber auch keine Notwendigkeit,
den korrekten Abfluss des Geldes von der Kabuler Bank zu überprüfen.
Geld könne durch eine Kontozugangskarte und Fingerabdruck abgehoben
werden, sagte ein Sprecher. Im August zahlte das
Verteidigungsministerium für 91 Todesopfer und elf Schwerverletzte
5000 Dollar pro Familie.
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