
Die Fachkräfte-Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit aus Dezember 2017 zeigt, dass die Altenpflege zu den Mangelberufen in Deutschland gehört. Insbesondere der Mangel an examinierten Fachkräften und Spezialisten zieht sich ausnahmslos durch alle Bundesländer. Unbesetzte Stellenangebote bleiben 171 Tage vakant, das sind 67 % mehr Tage als die durchschnittliche Vakanzzeit aller Berufe. (Quelle: Agentur für Arbeit)
Um diese Lücke zu schließen, rekrutieren einige Unternehmen Fachkräfte aus dem Ausland. Doch das rechnet sich erst nach 1,5 bis 2 Jahren und die Verbleibquote der rekrutierten Kräfte ist gering. Andere Unternehmen aktivieren den inländischen Markt. Doch in keinem Bundesland stehen rechnerisch ausreichend arbeitslose Bewerber zur Verfügung, um damit die der Bundesagentur gemeldeten Stellen zu besetzen, konstatiert die Agentur für Arbeit.
„Ich bin überzeugt, dass Pflegeunternehmen in erster Linie nach innen aktiv werden müssen, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Der Schwerpunkt muss auf die Verbesserung interner Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität gesetzt werden.“ so Tatjana Paus, Geschäftsführerin, Trainerin und Coach bei PTnC.
Für den heutigen Arbeitnehmer in der Pflege stellen
1. positive Unternehmens- und Führungskultur,
2. Qualität der Arbeitsbedingungen und Arbeitsorganisation sowie
3. Unterstützungsangebote wie Weiterbildung, Gesundheitsförderung, Vereinbarkeit von
Familie und Beruf
einen höheren Stellenwert dar, als die Höhe des Gehalts. Dies bestätigt auch das Gallup-Institut, das seit Jahren das Thema „Arbeitsgeberattraktivität und emotionale Bindung der Arbeitnehmer an das Unternehmen“ analysiert.
Einige Pflegeunternehmen haben das erkannt und investieren in die Mitarbeiter. Viele andere – wie die Erfahrung von Tatjana Paus zeigt – sprechen zwar von Personalmangel, unternehmen aber aktiv noch nichts – ein Paradoxon. Die Gestaltung und Entwicklung der drei genannten Aspekte ist Führungsarbeit. Werden diese Werte aktiv gelebt, kommt es direkt bei Mitarbeitern an. Das Ergebnis: Mitarbeiter sind zufrieden, arbeitsfähig, engagiert und fühlen sich emotional mit dem Unternehmen verbunden. Sie sprechen intern und extern positiv über das Unternehmen und ziehen neue Kollegen an. Das erlebt Tatjana Paus auch persönlich in Trainings und Workshops.
Doch wenn etwas Neues – wie eine neue Kultur – entstehen soll, müssen alte Gedanken-Konstrukte verlassen werden. Und es braucht Führungspersönlichkeiten mit einem neuen Führungs- und Selbstverständnis und einem neuen bzw. anderem Strategie-Set. Diese Metamorphose umfasst auf der einen Seite einen systematischen Veränderungs- und Entwicklungsprozess der Persönlichkeit und zum anderen das Erwerben bestimmten Wissens und Erlernen von Methoden, Techniken moderner Führungsarbeit. Dies ist die entscheidende wichtige Basis für die Entwicklung eines Unternehmens, seiner Kultur und Arbeitsorganisation. Werte der Zusammenarbeit wie Begeisterung, Eigenverantwortung, Selbstorganisation, Flexibilität und Integrität von Wissen und Fühlen ergeben ein attraktives, gesundes und funktionales Umfeld, das wie ein Magnet Mitarbeiter anzieht. Und die Führungskraft ist die auslösende Energie dafür.