Die Gewinner des Deutschen Umweltpreises 2009 ziehen Bilanz:
Energieeffizienz gewinnt Bedeutung
„Ein Erdbeben ist durch die Supraleiter-Branche gegangen.“ So
beschreibt Dr. Carsten Bührer, was er im vergangenen Jahr erlebt hat.
Der Auslöser: So genannte Supraleiter und die Auszeichnung mit dem
Deutschen Umweltpreis für die Umsetzung dieser neuen Technologie in
die Praxis. Sein Unternehmen Zenergy Power (Rheinbach) hatte mit dem
Maschinenbauer Bültmann (Neuenrade) auf Basis der Supraleiter eine
Anlage entwickelt, mit der sich in der Metallindustrie bis zu 50
Prozent an Energie einsparen lassen. Das brachte Bührer und der
Bültmann-Geschäftsführerin Petra Bültmann-Steffin den Preis der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ein. Dabei sei die Einführung
einer solch neuen Technologie bei der geringen Risikobereitschaft in
Deutschland eigentlich unmöglich gewesen, so Bührer. Doch seit der
Auszeichnung sei das Interesse enorm gestiegen, weitere Aufträge
seien die Folge gewesen. Pläne für den Einsatz der umweltschonenden
Technologie auf anderen Feldern werden geschmiedet.
Ein Magnetheizer, mit dem etwa Alumium auf Umformtemperatur
gebracht werden kann, war eines der ersten Produkte, die Zenergy
Power und Bültmann auf Basis der Supraleiter entwickelt hatten. Seine
zentralen Merkmale: Gegenüber herkömmlichen Anlagen braucht er nur
rund die Hälfte an Energie und steigert gleichzeitig die
Produktivität um bis zu 25 Prozent. Als die beiden Mittelständler
ihre Idee potenziellen Anwendern präsentierten, sei die Skepsis
zunächst groß gewesen: „Auf der Hannover Messe 2006 wurden wir noch
gefragt: Geht das überhaupt? Und heutet lautet die Frage: Wann können
Sie liefern?“, betont Bührer. Mit der Umweltpreisverleihung habe die
Technologie einen gewaltigen Schub erfahren. „Davon haben auch unsere
Mitstreiter in der Supraleiter-Branche profitiert“, so Bührer.
Dass sie es soweit schaffen würden, damit haben die beiden
Mittelständler nicht gerechnet. „Ich kann mich erinnern, dass es
zwischenzeitlich einen Punkt gab, wo keiner mehr weiter wusste. Und
dann ist das Team zum Mittagessen gegangen, und plötzlich war die
Lösung da“, schildert Bültmann-Steffin im Rückblick. Aber nicht nur
interne Faktoren, auch äußere Bedingungen machten es manchmal schwer,
Innovationen zu verwirklichen. „Das Problem in Deutschland ist, dass
man hier kein wirkliches Risikokapital findet. Sie müssen immer bis
ins letzte Detail erklären, warum die Risiken eigentlich keine
Risiken sind“, so Bührer. Das mache die Finanzierung in Deutschland
extrem schwierig. „Aber wer Innovationen vorwärts treiben will, muss
auch Risiken eingehen.“ Von daher seien Institutionen wie die DBU
enorm wichtig, weil sie die notwendige Anschubfinanzierung möglich
machten. „Zudem bekommt man eine Art Gütesiegel, das die
Glaubwürdigkeit nach außen – etwa gegenüber Banken – enorm stärkt“,
betont Bührer.
„Die Kostenersparnis ist natürlich ein entscheidender Faktor“,
erklärt Petra Bültmann-Steffin das Interesse an ihrem innovativen
Produkt. Aber auch die Ressourcenschonung gewinne bei Unternehmen
zunehmend an Bedeutung, so der Geschäftsführer von Zenergy Power:
„Energie in Deutschland ist recht günstig – weniger für die
Privathaushalte als für die Industrie. Natürlich lässt sich das nicht
isoliert betrachten, da der Standort Bundesrepublik unter
Konkurrenzdruck mit den Nachbarländern steht. Wir können also nicht
einfach die Energiepreise erhöhen“, betont Bührer. Doch entscheidend
sei das Bewusstsein der Bevölkerung. So sei der Endverbraucher
häufiger bereit, für nachhaltig produzierte Waren mehr zu bezahlen.
Daher versuchten Unternehmen verstärkt, Ressourcen zu schonen und
damit zu werben. „Für einen Hochtechnologiestandort wie Deutschland
ist das auch ein Muss. Denn Billigware bekäme ich genauso gut
woanders her“, erklärt Bührer. Die Tendenz zu mehr Umweltbewusstsein
sieht der promovierte Physiker vor allem in Zentraleuropa, aber auch
in den USA – wenngleich nicht ganz so ausgeprägt.
In den Büros von Rheinbach und Neuenrade werden bereits neue Ziele
für den Einsatz der Technologie ins Auge gefasst. Supraleiter
transportieren Strom nahezu ohne Verluste, so dass ihre elektrische
Leistung bis zu einhundert Mal höher ist als bei herkömmlichen
Kupferleitern. Und weniger Platz brauchen sie auch. „Das macht sie zu
einer Schlüsseltechnologie der Zukunft“, betont Bültmann-Steffin.
Aktuell arbeitet Zenergy Power an einem Prototyp für einen
Wasserkraftgenerator. „Hier spielt vor allem die Kompaktheit des
Systems eine Rolle, so dass der Strom aus Wasserkraft besser
ausgeschöpft werden kann – mit bis zu 36 Prozent mehr Leistung“, sagt
Bührer. Aber auch bei Windkraftgeneratoren sieht das Unternehmen für
Supraleiter große Chancen.
Dass es sich für Zenergy Power und Bültmann gelohnt hat, zu
kämpfen, zeigen weitere Auszeichnungen, die auf den Deutschen
Umweltpreis folgten: Im Februar dieses Jahres erhielten sie den
Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU), den der Bundesverband
der Industrie gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium vergibt. Im
Juni folgte die Ehrung mit dem Europäischen Umweltpreis. Und nicht
nur extern, auch intern habe sich eine Wirkung entfalten können,
betont Bültmann-Steffin. So sei mit dem Deutschen Umweltpreis das
Bewusstsein für Umweltschutz auch im eigenen Unternehmen gestiegen.
„Wir haben uns daher jetzt als Ziel gesetzt, auch andere Anlagen, die
wir bauen, noch stärker hinsichtlich ihrer Energieeffizienz zu
optimieren.“
Jungen Unternehmen raten die Mittelständler: „Vor allem
Durchhaltevermögen ist wichtig – sich von seinem Umfeld nicht
entmutigen zu lassen. Auch in unserem eigenen Unternehmen hatten
einige Mitarbeiter zunächst Bedenken und dachten – das klappe nie“,
sagt Bültmann-Steffin. Und Bührer ergänzt: „Der Mensch ist ein
Gewohnheitstier. Ich muss die Veränderung also schmackhaft machen,
dem Kunden zeigen, wo der Vorteil für ihn liegt.“ Wir könnten es uns
heutzutage nicht mehr leisten, Ressourcen gedankenlos zu nutzen. Und
eine umweltschonende Technik einzusetzen, bedeute nicht, Abstriche zu
machen. Das gelte es zu vermitteln. „Unsere Technik zum Beispiel
leistet das, was andere Technologien schon konnten, nur noch besser“,
so Bührer. Umweltschutz sei längst mehr als eine Ideologie.
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