Nachtreten ist keine sehr konstruktive Art der
Kritik. Doch manchmal schärft es das Bewusstsein zu sehen, wie
folgenreich ein Fehler der Vergangenheit war. Was die
Ausbildungsmisere der 90er-Jahre angerichtet hat, sagt uns 20 Jahre
später diese Zahl: Jeder fünfte der heute 30- bis 50-Jährigen hat
keine Ausbildung, ist entweder arbeitslos oder verdingt sich in
Hilfsjobs. Es ist eine verlorene Generation, die unser
Ausbildungssystem der Gesellschaft hinterlässt. In NRW kommt der hohe
Anteil an Migranten hinzu, denen früher die Ausbildungstradition
fehlte. Gerade jetzt könnten die Unternehmen sie brauchen,
stattdessen leben viele vom Sozialstaat. Mit etwas mehr Weitsicht
hätte die Wirtschaft dies verhindern können. Erst im Boom 2006 hat
sie gemerkt, dass ihr plötzlich gute Leute fehlen. Viele Unternehmen
haben daraus gelernt. Die Migrantenkinder haben in Schule und Lehre
aufgeholt. Und die Lehrstellenlücke schließt sich durch die
Demografie von ganz allein. Wer immer aber in Politik und Wirtschaft
über Investitionen in Bildung nachdenkt, hat die Gewissheit: Jeder
jetzt ausgegebene Euro wird sich später rentieren. Und jeder gesparte
Euro wird sich bitter rächen.
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