Mit einer breit angelegten Offensive will der neue
NRW-Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) Bildungschancen und
berufliche Gleichstellung von Migranten in Nordrhein-Westfalen
deutlich verbessern. Beim Abbau noch immer existierenden Vorbehalte
gegenüber Menschen mit ausländischen Wurzeln sollen Behörden eine
Vorbildfunktion übernehmen. „Wir werden in der öffentlichen
Verwaltung das Prinzip der anonymen Bewerbung durchsetzen und gucken
was passiert, wenn ein Migrationshintergrund unkenntlich gemacht wird
und allein Bildung und berufliche Erfahrung zählen“, sagte Schneider
in einem Interview der Zeitungen der WAZ-Mediengruppe
(Donnerstagsausgabe). Er gehe fest davon aus, auf diese Weise die
Zahl der Beschäftigten mit Migrationshintergrund im Staatsdienst zu
erhöhen. „Auch in der öffentlichen Verwaltung müssen Vorurteile
überwunden werden.“ Außerdem werde die Landesregierung so schnell
wie möglich ein Integrationsgesetz vorlegen, das Grundlage für neue
Eingliederungsmaßnahmen in den Kommunen bilden soll. Schneider: „Vom
Sport über die Weiterbildung bis hin zu Ortsteilprojekten. Überall in
Großstädten haben wir inzwischen neue Formen der Ghettoisierung. Das
muss aufgebrochen werden, damit die Gesellschaft zusammengehalten
wird.“ Durch eine generelle finanzielle Entlastung werde die
Landesregierung Kommunen in die Lage versetzen, neue Projekte zur
Integration zu bezahlen. Massive Kritik übt Schneider an den Gegner
der von Rot-Grün geplanten Schulreform. „Die Propaganda gegen die
Gemeinschaftsschule ist höchst verwerflich. Da werden Vorurteile
gefördert, die das Gegenteil von Integration beinhalten.“ Es sei
wissenschaftlich nachgewiesen, dass bei längerem gemeinsamen Lernen
„die Stärkeren nicht schwächer werden“. Die Gemeinschaftsschule sei
auch wichtig, um Kindern mit Migrationshintergrund gesellschaftlichen
Aufstieg durch Bildung zu ermöglichen. „Das ist nicht nur ein Akt der
Humanität, sondern auch aus wirtschaftlichem Interesse erforderlich.“
Grundvoraussetzung sei dabei, „jedes Kind vor der Einschulung in die
Lage zu versetzen, deutsch zu lernen.“ Ansonsten, betont Schneider,
seien „Einwandererkinder nicht schlechter als andere: Sie haben ja
keinen genetischen Defekt“.
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