WAZ: Gefährlicher Atomstaat – Kommentar von Jutta Lietsch

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il hat es noch einmal
geschafft, auf sich aufmerksam zu machen. Erst vor ein paar Tagen
schockierten seine Techniker die Weltöffentlichkeit mit der
Enthüllung einer neuen Uran-Anreicherungsfabrik, in der auch Material
für Atombomben produziert werden kann. Jetzt ließ er seine Armee auf
eine von Südkoreanern bewohnte Insel feuern. Es gab Tote und
Verletzte. Solche Aktionen und damit verbundene haarsträubende
Drohungen gegenüber jedem, der es wagen sollte, Nordkorea
anzugreifen, sind nicht ungewöhnlich für das Regime in Pjöngjang. So
weit, so schlecht. Doch es kommt noch schlimmer: Nordkorea hat wieder
einmal gezeigt, wie einfach es ist, sich das Know-How und die
Maschinen für die Entwicklung von Atomwaffen zu besorgen. Ein großer
Teil dieses Wissens und der Geräte sind unter dem Deckmantel der
zivilen Atomenergie zu beschaffen. Und nicht nur Regierungen wie die
in Pjöngjang sind hinter der Atombombe her. Dass die nordkoreanischen
Militärs Atomtechnik nicht nur eifrig kaufen, sondern auch an jeden
verkaufen, der nur genug Geld dafür zahlt, ist zu befürchten.

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