WAZ: Ausbruch der Cholera – Haitis neuesÃœbel – Kommentar von Klaus Ehringfeld

Es scheint das ewige Los Haitis zu sein, dass alle
denkbaren Ãœbel und Katastrophen dem Land widerfahren: Diktatoren und
Despoten, Umstürze, Naturkatastrophen und nun eine Cholera-Epidemie.
Die neuerliche Tragödie trifft Haiti inmitten des schwierigen
Bemühens, das Land nach dem Jahrhundertbeben wieder aufzubauen. Neun
Monate ist die Katastrophe jetzt her, und noch immer kommt Haiti
nicht auf die Füße. Die Trümmer sind kaum beseitigt, und die
Hunderttausenden Menschen, die ihr Obdach verloren haben, drängen
sich noch immer in Zeltlagern, auf Plätzen oder schlafen auf dem
Bürgersteig auf einer Pappe. Das Überraschende ist daher, dass die
Cholera-Epidemie erst jetzt ausgebrochen ist. Die Menschen leben ein
Dreivierteljahr unter hygienischen Bedingungen, die man sich kaum
vorstellen kann: kein Wasser, kaum Toiletten, oft ein halbes Dutzend
Menschen auf wenigen Quadratmetern unter tropischer Hitze. Die gute
Nachricht in all dem Chaos ist, dass seit Januar so viele
Hilfsorganisationen im Land sind. Sie haben schnell reagiert mit
Medikamenten, Wasser und Aufklärung. Die Cholera wird daher bald
unter Kontrolle sein. Die wahre Herausforderung bleibt der
Wiederaufbau nach dem Beben.

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