Absicht der Bundesregierung,
Waldflächen aus der Nutzung zu nehmen, stößt bei Waldbesitzern auf
Unverständnis / Positionspapier auf Umweltministerkonferenz übergeben
/ Naturschutz ist in nachhaltige Waldbewirtschaftung integriert /
„Aktuelle Forderungen von Naturschutzverbänden sind kontraproduktiv.“
Der deutsche Wald ist in den vergangenen 40 Jahren um eine Fläche
von einer Million Hektar gewachsen. Seine Holzvorräte sind die
größten in ganz Europa – ein Verdienst der nachhaltigen und
naturnahen Forstwirtschaft. Als Teilziel der Nationalen Strategie zur
biologischen Vielfalt beabsichtigt die Bundesregierung nun, bei fünf
bis zehn Prozent der Wälder die wirtschaftliche Nutzung einzustellen.
Diese Absicht stößt bei privaten und kommunalen Waldbesitzern in
Hessen und anderen Bundesländern auf Protest. Erst kürzlich sind
zudem Forderungen von Naturschutzverbänden laut geworden, statt der
von der Bundesregierung angestrebten fünf Prozent sogar zehn Prozent
der deutschen Wälder sich selbst zu überlassen. Wissenschaftliche
Untersuchungen belegen dagegen, dass die nachhaltige und naturnahe
Bewirtschaftung, wie sie seit langem in Deutschland betrieben wird,
sich positiv auf die Artenvielfalt auswirkt.
Bei einer Realisierung der Pläne von Bund und Umweltverbänden
sehen die Waldbesitzerverbände schwerwiegende Folgen für ihre
Mitglieder. Denn die Nutzungseinschränkungen im Wald treffen den Nerv
der strukturschwachen ländlichen Räume. Auf dem Land verdienen viele
Menschen ihren Lebensunterhalt mit der Forst- und Holzwirtschaft.
Teile der Holz verarbeitenden Industrie befürchten wegen der Pläne
zum Naturschutz eine existenzbedrohende Verknappung des
Rundholzangebotes. „Der Wald muss Lebens- und Wirtschaftsraum
bleiben“, argumentieren die Waldbesitzer.
Nutzungsbeschränkungen im Wald sind nicht erforderlich, denn
Naturschutz und Holznutzung erweisen sich als gut vereinbar. Bei der
letzten Überprüfung der Bundesregierung, wie weit die Ziele der
Biodiversitätsstrategie heute erreicht sind, hat die Forstwirtschaft
mit Bestnoten abgeschnitten. Gerade in den bewirtschafteten Wäldern
nimmt die Artenvielfalt zu. Multifunktionale, nachhaltige
Forstwirtschaft bewährt sich. „Deswegen gibt es keinen Grund, Flächen
in Wäldern stillzulegen“, stellt Michael Freiherr von der Tann,
Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes, fest. „Viele
Waldbesitzer haben das Gefühl, dass dieser Erfolg von der Politik
überhaupt nicht wahrgenommen wird, sondern im Gegenteil die Wälder
zusehends zu Museen gemacht werden.“ So plant die staatliche
Forstverwaltung in Hessen, weitere 3.400 Hektar Wald aus der
forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. In Baden-Württemberg will
die Regierung zehn Prozent der Staatswaldflächen stilllegen und
empfiehlt den Kommunen, es ebenso zu tun. In mehreren Bundesländern
wird die Ausweisung weiterer Nationalparks vorbereitet.
Waldbesitzer beziehen in Positionspapier Stellung
Eine Delegation der Waldbesitzer hat die ernsthaften Sorgen der
Forst- und Holzwirtschaft um den Verlust ihrer Wirtschaftsgrundlage
am Freitag, 27. Mai, bei der Umweltministerkonferenz in Wernigerode
vorgetragen. Sie übergaben den Ministern ein Positionspapier mit dem
Titel „Waldstrategie 2020“. Darin äußerten sie ihr Unverständnis, den
Pfad der bewährten nachhaltigen Forstwirtschaft zu verlassen. Wald
und Forstwirtschaft leisten einen erheblichen Beitrag zum
Klimaschutz, zur Energiewende, zur Beschäftigung und zum Erhalt der
ländlichen Räume.
Unterstützt wird die Position der Waldbesitzer vom Deutsche
Städte- und Gemeindebund, der weitere Unterschutzstellungen oder
Nutzungseinschränkungen im Wald ablehnt.
Bewirtschaftung erhält Arbeitsplätze
Der Wald hat nicht nur eine klima- und artenschützende Funktion,
sondern ist auch wirtschaftlich von großer Bedeutung. In Deutschland
sichert er 1,2 Millionen Menschen eine Arbeit. Der Wirtschaftszweig
Forst und Holz erzielt pro Jahr einen Umsatz von 170 Milliarden Euro.
Es spricht viel dafür, in konsequenter Folge aus dem Moratorium über
die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke in Deutschland auch die
Strategie der Flächenstilllegung grundlegend zu überdenken. Ein
erheblicher Teil der Wälder ist bereits als europäisches
Naturschutzgebiet ausgewiesen. Eine Stilllegung von genutzten Wäldern
erfordert Holzimporte aus dem Ausland – bereits jetzt kann
Deutschland seinen Verbrauch an Holz nur zu zwei Dritteln aus
heimischen Wäldern decken. Wird die Biodiversitätsstrategie der
Bundesregierung umgesetzt, gehen der holzverarbeitenden Industrie
mindestens fünf Millionen Kubikmeter Holz verloren. Daran hängen etwa
40.000 Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von 2,3 Milliarden Euro.
Dies geht aus einer Berechnung des Johann Heinrich von
Thünen-Instituts in Hamburg hervor. Die Waldbesitzerverbände setzen
sich dafür ein, dass die Menschen auf dem Land mit produktiver Arbeit
im Wald Wertschöpfung und Einkommen erwirtschaften können. Zudem ist
eine Stilllegung von Waldfläche langfristig dem Klimaschutz
abträglich: In ungenutzten Wäldern zerfällt das Holz und verliert
somit die klimaschützende Fähigkeit, Kohlenstoff zu speichern.
Pressekontakt:
Hessischer Waldbesitzerverband e.V.
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