Als „Riese auf tönernen Füßen“ bezeichnet der
Paritätische Wohlfahrtsverband die Pflegebranche. Der Verband fordert
sofortige und konkrete politische Initiativen, um den Pflegeberuf
attraktiver zu gestalten und dem heraufziehenden Pflegenotstand
entgegen zu wirken.
„Die beeindruckenden Mitarbeiterzahlen können nicht darüber
hinwegtäuschen, dass wir dem wachsenden Bedarf nicht gerecht werden“,
relativiert der Vorsitzende des Paritätischen Eberhard Jüttner die
aktuellen Statistiken des WifOR-Institutes zum Job-Boom in der
Pflege. „Mit Blick auf die demografische Entwicklung steuern wir auf
einen extremen Pflegenotstand zu. Wenn wir in Zukunft eine würdevolle
Pflege für alle Menschen sicherstellen wollen, ist es höchste Zeit,
entschlossen aktiv zu werden“, so Jüttner.
Der Verband fordert von der Bundesregierung sofortige und konkrete
politische Initiativen, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten.
„Um mehr Menschen für diesen anspruchsvollen Beruf gewinnen zu
können, braucht es eine attraktivere Vergütung und
Arbeitsbedingungen, die mehr Zeit am Menschen und damit auch mehr
persönlichen Erfolg und Zufriedenheit ermöglichen“, fordert Jüttner.
Die Einführung eines Mindestlohns sei ein erster wichtiger Schritt
gewesen. Nach wie vor schneide die Pflege jedoch im Wettbewerb um
Nachwuchs gegenüber anderen Branchen, was Entlohnung und berufliche
Entwicklungsmöglichkeiten angeht, schlecht ab. Schuld seien die
unzureichenden Entgelte der öffentlichen Kassen. Für Sparmaßnahmen,
wie die jüngsten Kürzungen der Bundesagentur für Arbeit bei den
Umschulungen von Arbeitslosen zu Altenpflegern, bestehe in der Pflege
keinerlei Spielraum. Es führe kein Weg daran vorbei, mehr Geld in das
System zu bringen, so der Verbandsvorsitzende. „Die Gesellschaft muss
sich entscheiden, was gute Pflege ihr wert ist.“
Überfällig sei die sofortige Umsetzung des neuen
Pflegebedürftigkeitsbegriffs. „Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff
bedeutet die Abkehr von der Minutenpflege hin zu einer Pflege, die
sich endlich ausschließlich an dem tatsächlichen Unterstützungsbedarf
des pflegebedürftigen Menschen orientiert. Es ist ein Skandal, wenn
das Gesundheitsministerium dieses Vorhaben weiter in den Schubladen
verstauben lässt, statt endlich Nägel mit Köpfen zu machen“,
kritisiert Jüttner.
Pressekontakt:
Gwendolyn Stilling, Tel.030/24636305, pr[at]paritaet.org