Von der Vision bis zum funktionierenden Tiefwasserhafen

Hervorzuheben sind u. a. Arbeiten, mit denen rechtzeitig Maßnahmen verhindert werden konnten, die sonst zu Einschränkungen oder Behinderungen der Leichtigkeit des Schiffsverkehrs und/oder der Hafenentwicklung geführt hätten.

Das bisher größte Projekt war der JadeWeserPort, den die WHV e.V. über 19 Jahre von der Idee bis zur Realisierung entwickelt und begleitet hat. Das Container Terminal Wilhelmshaven im JadeWeserPort konnte bisher trotz exzellenter nautischer Lage und bester Hinterlandanbindungen über Straße und Bahn die geplanten Umschlagszahlen nicht erreichen.

Wesentliche Ursachen dieser Entwicklungen liegen in den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise 2008 und der noch immer anhaltenden Schifffahrtskrise.

Die von der P3-Allianz, Maersk, MSC und CMA CGM, geplanten Schiffsanläufe wären ein Anfang zur Belebung des JadeWeserPorts auf dem Weg zu ständig steigenden Umschlagszahlen gewesen.

Die Warenströme zwischen Asien und Europas Nordseeküste laufen jedoch weiterhin auf Schiffen über das Meer, wenn auch jetzt mit Wachstumsraten unterhalb von 5 Prozent. Neben den P3-Reedereien erhalten jetzt auch die großen Chinesischen und andere Reedereien Groß-Containerschiffe. Diese Containerriesen brauchen Häfen mit Vorzügen wie Wilhelmshaven -kurze Revierfahrt, breites und tideunabhängig tiefes Fahrwasser- und begründen die Notwendigkeit des Container Terminals Wilhelmshaven (CTW).

Die Verkehre suchen sich neue Wege, neue Ziele. Ein Scheitern der beantragten Elbvertiefung bedeutet nicht automatisch eine Hinwendung zum CTW, verbessert aber die Chancen erheblich. Eine stärkere Nutzung des CTW könnte auch die derzeitig sehr schwierige Verkehrssituation bei Bahn und Straße im Zu- und Ablauf des Hamburger Hafens entspannen.

Der Wettbewerb sitzt in Antwerpen und Rotterdam. Auch das Anlaufen von Großcontainerschiffen in den Häfen Göteborgs und vor allem Danzigs verändern den Fluss der Warenströme.

Die nautischen Vorzüge Wilhelmshavens allein führen nicht automatisch zum Erfolg, gemeinsame gewaltige Anstrengungen müssen unternommen werden, Umschlagsgüter, Seehafenspediteure, Logistikunternehmen und produzierende Unternehmen auf Wilhelmshaven zu ziehen. Ansiedlungsflächen für Gewerbe und Industrie stehen im Bereich des JadeWeserPorts als auch am Nordhafen zur Verfügung. Ein ausreichend großes und stetig steigendes Güteraufkommen in Wilhelmshaven wird den Erfolg des JadeWeserPorts fördern. Zu dieser Aufgabe sichert die WHV e.V. weiterhin jedem, der dieses Ziel verfolgt, volle Unterstützung zu.

Die Unternehmen der chemischen Industrie sind einer der Schwerpunkte des Wilhelmshavener Hafens. Einige Unternehmen durchlaufen gerade Veränderungen. Neue Geschäftsfelder und Projekte in Verbindung mit den benachbarten freien Flächen am tiefen Fahrwasser bieten ein großes Potential für Weiterentwicklung und Ausbau von Unternehmen und des Chemiestandortes Wilhelmshaven.

Im Gefolge des JadeWeserPorts haben sich Synergieeffekte ergeben. So ist die Niedersachsenbrücke auf eine Umschlagskapazität von gut 8 Mio. Tonnen pro Jahr und die Annahme voll abgeladener Capesizer ertüchtigt worden, was eine Voraussetzung z. B. für die Ansiedlung des GDF SUEZ Kohlekraftwerkes war. Zusätzlich werden drei Kraftwerke im Inland per Bahn mit Kohle beliefert. Nebenbei ist auch für den Betreiber die Möglichkeit eröffnet, weitere Umschlagsgüter abzufertigen.

In der Logistikzone hinter dem CTW hat sich Nordfrost mit dem Marksegment der Logistik für Kühl- und temperaturgeführte Ladung angesiedelt.

Mittelständische Unternehmen haben sich neu etabliert oder Niederlassungen eröffnet und machen gute Geschäfte, auch neue Hotel- und Gastronomiebetriebe sind entstanden. In vielen Bereichen erneuern sich Stadtteile, weil in Infrastruktur und privates Geld in Renovierung und Erneuerung investiert wird.

Seit 2010 wirbt die WHV e.V. offensiv für den Hafen Wilhelmshaven als Offshore-Windenergie-Standort und verstärkt dies in diesem Jahr gemeinsam mit den Unternehmen Ihrer „Arbeitsgruppe Windenergie“ noch einmal. Der Erfolg zeigt sich an den seit drei Jahren stetig steigenden Schiffsverkehren der Offshore-Windenergie im Hafen. Ein Zeichen, dass sich Wilhelmshaven als Offshore Wind Basis etabliert hat. Unser Hafen ist ein idealer Standort als Basis für alle Bereiche der Windenergie- Logistik, des Services sowie als Hub für die eingesetzten Schiffseinheiten. Ein Alleinstellungsmerkmal ist z. B. die Montage und der Abtransport ganzer Rotorsterne für das derzeitige AREVA Projekt auf dem Gelände des Eurogate CTW.

Die Umschlags- und Serviceunternehmen mit ihren Anlagen müssen sich den ständig wandelnden Aufgaben flexibel und kurzfristig anpassen und rund um die Uhr maßgeschneiderte Lösungen bieten.

Die Unternehmen im Inneren Hafen repräsentieren mit ihren unterschiedlichen Ausrichtungen von Werft- und Service-Dienstleistungen bis zum Umschlag jeder Art von Gütern die Vielfalt der maritimen Wirtschaft und machen Wilhelmshaven zu einem Universalhafen. Hafennahe Grundstücke müssen für die Weiterentwicklung der Hafenwirtschaft erhalten bleiben.

Weiterhin sollten Flächen für Ansiedlung von weiteren Unternehmen erschlossen werden. Eine Möglichkeit, Arbeitsplätze zu schaffen.

Im oder für den Wilhelmshavener Hafen arbeiten weit über 5000 Mitarbeiter. Aktivität und Weiterentwicklung im Hafen sichert und erhöht die Beschäftigung, was die WHV e.V. unterstützt.

Nicht nur beiläufig war der Vorstoß der WHV e.V. zur Schaffung einer nationalen Erdgasreserve und die Wiederbelebung der Gedanken um Schaffung eines Anlandehafens für Flüssigerdgas in Wilhelmshaven. Als weiteres Standbein zur Sicherung der Energieversorgung und Verringerung einseitiger Abhängigkeit braucht Deutschland nach Ansicht der WHV e.V. ein Terminal zur Anlandung von verflüssigtem Erdgas. Hier ist die Politik gefordert. Die Gasversorgung Deutschlands scheint 2014 noch ausreichend sicher. Doch ebenso sicher ist der zukünftige Einsatz von Erdgas als politische und wirtschaftliche Waffe. Besorgnis erregend ist auch, dass wichtige Transportleitungen sowie ein Viertel des verfügbaren Gasspeicherraumes in ausländischen Händen liegen. Die Vernetzung aller europäischen Einspeisehäfen für Flüssigerdgas und Umkehrbarkeit der Gasfließrichtungen in den Netzen sollte schnell verwirklicht werden. Wilhelmshaven ist bestens als Anlandepunkt für Flüssigerdgas besonders durch seine Netznähe und kurze Entfernungen zu vorhandenen und noch zu schaffenden Kavernenspeichern hervorragend geeignet.

Auch als Schiffstreibstoff wird die hafennahe Verfügbarkeit von Flüssigerdgas an Bedeutung gewinnen, um den erhöhten Umweltanforderungen nach zu kommen.

Die Terminals für Flüssigerdgas in Rotterdam und ab diesem Jahr in Swinemünde folgen der beschriebenen Entwicklung, können jedoch nur dortige Bedarfe decken bzw. Ausfälle ersetzen.

Wilhelmshaven als Energiedrehscheibe hat große Chancen zum bedeutenden Mitspieler in der Hafenwirtschaft und wie beim Mineralöl, auch Standort zur Sicherung der deutschen Erdgasversorgung zu werden. Wir müssen uns nur ständig darum bemühen!

Weitere Informationen unter:
http://www.hafenwirtschaft-whv.de/aktuelles/aktuelles/article/von-der-vision-bis-zum-funktionierenden-tiefwasserhafen.html