MÜNCHEN. „Monatliche Lohnabrechnungen sind für uns Buchhalter inzwischen ein absoluter Horrortrip. Fast jede Lohnabrechnung müsste im Grunde zwei Mal bearbeitet werden, wenn man äußerst penibel wäre“, ärgert sich Siglinde Hofmann, Buchhalterin und Mitglied im Münchner Bezirksvorstand des Bundes der Selbständigen (BDS) – Gewerbeverband Bayern. Grund ist ein Gesetz aus dem Jahr 2005.
Demnach müssen Arbeitgeber die Sozialbeiträge ihrer Mitarbeiter bereits vier volle Banktage vor Ende des Monats an die Sozialversicherungsträger melden. Die damalige rot-grüne Bundesregierung hatte das Gesetz geändert, um auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise in Deutschland mit fast fünf Millionen Arbeitslosen der Ebbe in den Sozialkassen entgegenzuwirken.
Buchhalter schwitzen zwei Mal im Monat
Inzwischen brummt die Wirtschaft in Deutschland, der unnötige Papierkram ist aber geblieben: „Wenn jemand zum Beispiel Überstunden macht oder krank ist, dann ändert sich auch die Höhe der Sozialbeiträge. Das führt dazu, dass im Folgemonat viele Lohnabrechnungen noch einmal nachjustiert werden müssten – ein ungeheurer Aufwand, der völlig unnötig ist“, erklärt Hofmann. Die Vereinfachungsregelung hat den Papierkram nur wenig eingeschränkt. „Stundenlöhne stimmen im Grunde so gut wie nie.“
Im Angesicht prall gefüllter Kassen der Sozialversicherung ist es für BDS-Präsident Ingolf F. Brauner nun an der Zeit, diesen Zustand zu beseitigen: „Es ist kein haltbarer Zustand, dass der Mittelstand durch die monatliche Vorauszahlung der Sozialversicherung Monat für Monat Milliarden vorausstreckt, obwohl beispielsweise die Krankenkassen inzwischen auf einem Polster von über 19 Milliarden Euro sitzen. Unser Vorschlag ist, die alte Praxis wieder einzuführen, so dass die Beiträge erst im Folgemonat berechnet und abgeführt werden.“
Bürokratie abbauen statt Wahlgeschenke verteilen
In einem offenen Brief wendet sich der BDS daher diese Woche an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), den bayerischen Staatsminister für Gesundheit Dr. Marcel Huber (CSU), den gemeinsamen Bundesausschuss sowie an die Mitglieder des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag und fordert die Verantwortlichen auf, die derzeitige Praxis zu ändern. Dies könne durchaus auch schrittweise geschehen, um die Sozialversicherungen nicht zu überfordern.
„Sicher ist es richtig, Staatsschulden abzubauen, indem man beispielsweise den Bundeszuschuss an die Kassen zurückfährt, sicher macht es Sinn, für schlechtere Zeiten und den demographischen Wandel vorzusorgen, bestimmt freuen sich Versicherte und Unternehmer über sinkende Kassenbeiträge und viele Ärzte würden bestimmt bei einem Wegfall der Praxisgebühr jubeln. Aber: Keiner dieser Vorschläge verbindet eine Entlastung von uns Unternehmer mit einem Bürokratieabbau“, erklärt Brauner. „Wir bitten daher, unseren Vorschlag ernsthaft zu prüfen.“
Weitere Informationen unter:
http://www.bds-bayern.de