„Angst vor dem Versagen kennt weder Alter noch Bildungsstand, denn Anspruchshaltung und Optimierungswünsche sind gesellschaftlich omnipräsent“, erklärt Marion Klimmer, Mental Trainerin und Prüfungs-Coach aus Hamburg, die täglich mit Studenten und Managern nach den Ursachen und Ausdrucksformen unterschiedlicher Ausprägungen von Prüfungsangst arbeitet. „Für den einen ist es die wichtige Klausur, für den anderen die Präsentation vor einem bestimmten Kunden, der Pitch vor Investoren oder die Befürchtung in einem exklusiven Führungszirkel das Gesicht zu verlieren – Prüfungsangst ist so individuell, wie die Menschen und ihre Aufgaben“ so Marion Klimmer, die zu bedenken gibt: „Nicht immer ist Lampenfieber abträglich.“
In ihrer leichten Form bring Prüfungsangst auf Trab und sorgt für Geistesblitze und gesteigerte Leistungen. In der ausgeprägten Variante sieht das aber schon ganz anders aus: Angstschweiß, Herzklopfen, das Gefühl einer trockenen oder gar zugeschnürten Kehle machen Betroffenen das Studium und Berufsalltag schwer. Lerninhalte oder die hart erarbeitete Marketingstrategie, die eben noch klar und logisch zum Abruf bereit stand, kann nur noch durch einen unsicheren Nebel und mit pochenden Schläfen ertastet werden. Die

Angst vor dem einen, wichtigen Moment kann zur Plage werden. Wer sich in einer bestimmten Situation als Versager erlebt hat, obwohl er oder sie sehr gut vorbereitet war, wird geprägt und verfällt unter Umständen immer wieder in dasselbe Muster oder Leistungsblockaden, zeigt Klimmer auf: „Eine früher als demütigend erlebte und unverarbeitete Situation vor der Schulklasse, überträgt sich dann unbewusst bis zu einem viel späteren Zeitpunkt der Karriere – zum Beispiel auf einen Vortrag, den ein Vorstand halten soll. Unbewusst triggert dies ähnliche, sehr unangenehme Emotionen. Und nach Jahren können daraus regelrecht Angststörungen entstehen, die sich körperlich und seelisch in unterschiedliche Lebensbereiche ausbreiten.“
Klimmer, die auch Spezialistin für Flugangst ist und Entscheider zu Höchstleistungen coacht, hat immer mehr Anfragen zum Thema Prüfungsangst. „Die Panik zu versagen ist in meiner Wahrnehmung stark angestiegen und macht einen wachsenden Anteil meiner Arbeit aus“, erklärt Marion Klimmer. Es sei die Angst vor Blamage, schlechten Noten, schlechteren Studienzugangsvoraussetzungen oder die Panik vor dem großen Wettkampf – denn wenn man da vergeigt, war alle Vorbereitung um sonst, weiß die Mental Trainerin. „Meine Klienten berichten mir, aber auch meine private Umgebung spiegelt es: Ein großer Anteil der Abiturienten erlebt den heutigen Leistungsdruck als seelisch sehr belastend und benötigt Unterstützung durch Therapeuten oder nimmt sogar Medikamente.“
Hinter Prüfungsangst und Denkblockaden steckt das lymbische System (Emotionshirn), das in Stresssituationen hoch aktiv ist und in den Ãœberlebensmodus schalten kann. Im Ergebnis rast der Puls und das Blut schießt in die Extremitäten – das Gehirn wird weniger Versorgt. Doch die körperlichen Hinterlassenschaften der Evolutionsbiologie kann man in den Griff bekommen. 95% von Klimmers Klienten überwinden ihre Ängste innerhalb von nur drei bis sechs Sitzungen. „Emotions-Coaching bringt echte und schnelle Veränderung, da es genau

dort ansetzen kann, wo Ängste entstehen: im Emotionshirn. Es geht darum, mit neurowissenschaftlich fundierten Methoden, die Angstspirale zu durchbrechen und die Ursachen aufzuspüren, ohne eine langwierige Psychotherapie durchführen zu müssen“, so Marion Klimmer.