Berlin, 4. November 2014: Sigmar Gabriel, Vizekanzler und Minister für Wirtschaft und Energie, hält heute die traditionelle Tischrede beim Fundraising-Dinner für den „Raum der Namen“ des Holocaust-Denkmals. Die Abendveranstaltung im Hotel Adlon wird bereits zum neunten Mal vom Förderkreis „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.“ ausgerichtet. Einladende sind Förderkreis-Vorsitzende Lea Rosh sowie Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert und Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters. Ca. 100 geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft werden heute zu diesem besonderen gesellschaftlichen Ereignis erwartet.
Außerdem findet am heutigen Abend die Verleihung des Preises für „Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ statt. Sie ist eine der vielfältigen Aktivitäten des Förderkreises „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.“ zur Verwirklichung seines Vereinszweckes. Der Vorstand des Förderkreises hat bereits 2010 auf Initiative seiner Vorsitzenden Lea Rosh gemeinsam mit Dr. Gideon Joffe, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, beschlossen, den „Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ zu stiften. Er wird einmal jährlich an eine natürliche oder juristische Person oder Bürgerinitiative verliehen, die durch ihr öffentliches Auftreten beeindruckt hat.
„Eine wirksame Erinnerungskultur kann nur gelingen, wenn die Menschen sensibilisiert und emotional berührt werden“, erklärt Lea Rosh. „Der Förderkreis ‚Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.‘ setzt sich seit 16 Jahren dafür ein, ermordeten jüdischen Kindern, Frauen und Männern ein Gesicht zu geben. Bereits 11.000 Biografien konnten durch den Erlös der vergangen acht Charity-Dinner finanziert werden und sind jetzt im ‚Raum der Namen‘ zu lesen und zu hören.“
Vizekanzler Sigmar Gabriel erklärt am heutigen Abend: „Wir tragen Verantwortung dafür, das Schicksal all der Menschen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Das ist die Idee, die hinter dem ‚Raum der Namen´ unter dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas steckt. Ich unterstütze sie aus voller Überzeugung!“
Die Tischrede ist stets bedeutenden politischen und wirtschaftlichen Persönlichkeiten vorbehalten. So waren in der Vergangenheit bereits Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Altkanzler Dr. Helmut Kohl, Peer Steinbrück, Dr. Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, sowie Jean-Claude Juncker, ehemaliger Vorsitzender der Euro-Gruppe, und Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble prominente Redner.
Neue Botschafter für den „Raum der Namen“
Neue Botschafter für den Förderkreis „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.“ sind die Schauspieler Ulrich Matthes und Gerd Wameling. Weitere prominente Unterstützer und Charity-Botschafter des Projektes „Raum der Namen“ sind die ARD-Moderatorin Anne Will, die Schauspielerin Iris Berben, der Anwalt Prof. Dr. Peter Raue sowie der Regisseur Michael Verhoeven.
„Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ und „Ehrenpreis“
Zum fünften Mal wird der „Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ im Rahmen des Charity-Dinners am heutigen Abend verliehen. Preisträger in diesem Jahr ist die Niedersächsische Bürgerinitiative „Forum für Zivilcourage Tostedt“. Seit ihrer Gründung 1998 engagiert sich die Initiative gegen die rechte Szene in ihrer Region, um dem Ruf ihrer Stadt als „braunes Nest der Nordheide“ etwas entgegenzusetzen. Vorsitzender der Initiative ist Ulrich Graß.
Aus der Begründung der Preisvergabe: Ihr Wahlspruch ist „Toleranz statt Ignoranz“. Gegründet wurde die Initiative im Jahr 1998 nach der schweren Verletzung einer jungen Frau, die diese bei einem gewaltsamen Angriff von Rechtsradikalen erlitten hatte. Zu den Aktivitäten des Forums gehören: Bürgerfeste unter dem Motto „Tostedt ist bunt“, Unterschriften-Sammlungen „Tostedt gegen Rechts“ und Demonstrationen „Tostedt bewegt sich“. Im letzten Jahr richtete die Initiative einen Fluchtraum ein, der über die Asylproblematik und die Hintergründe der Lebensumstände der Flüchtlinge in Tostedt aufklärt. Das Preisgeld i.H.v. 2.000,- (zweitausend) EURO soll die Bürgerinitiative in ihren künftigen Plänen unterstützen.
Einen „Ehrenpreis“ (nicht dotiert) erhält in diesem Jahr die „Zweibrüder Kunst- & Kultur GmbH“ der Gebrüder Harald und Rainer Opolka.
Aus der Begründung zur Preisvergabe: Die beiden Zwillingsbrüder haben auf ihrem Schloss Hubertushöhe in Storkow (Mark) bei einem „Sommerfest für Akteure aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung“ am 29. August 2014 den von der Fürstenwalder Stadtverwaltung aus formalen Gründen geladenen NPD-Funktionären Rainer Kluckow und Klaus Beier den Zutritt verweigert. Sie schrieben: „Auf unserem Schlossgelände sind NPD-Mitglieder unerwünschte Personen“. Außerdem unterstützten beide Brüder vor der Landtagswahl in Brandenburg den Landtagsabgeordneten Klaus Ness, als Nazis 50 seiner Anti-Nazi Plakate über Nacht gestohlen hatten. Die beiden Brüder finanzierten daraufhin 500 Plakate, so dass unter jedem Plakat der NPD im Kreis bald ein Schild hing: „Nazis einen Vogel zeigen“. Während einer Pressekonferenz hingen beide zusammen mit Herrn Ness die ersten Plakate selber auf, um anderen Menschen ein couragiertes Vorbild zu sein.