VIER PFOTEN sieht sich in seinem Protest gegen den
Bau des Mega-Schlachthofs in Wietze (bei Celle) und der damit
verbundenen Ausweitung der industriellen Masthühnerhaltung bestätigt.
Der agrarindustrienahe Geflügelmarkt-Experte Prof. Hans-Wilhelm
Windhorst, ehemaliger Leiter des ISPA-Instituts an der Universität
Vechta, veröffentlichte seine Warnungen jetzt in der Fachzeitschrift
„DGS Magazin“ (Ausgabe 35/2010), dem offiziellen Organ des
Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft.
Windhorst warnt vor ruinösen Überkapazitäten im Falle einer
massiven Erweiterung der Schlachtkapazitäten in der Hähnchenbranche.
Probleme sieht der Experte vor allem beim Schlachthof-Neubau des
Rothkötter-Konzerns in Wietze und – als Reaktion darauf – auch in der
Erweiterung der Schlachtkapazitäten bei dessen Konkurrenten
Wiesenhof, Sprehe, Stolle und Friki. In Folge der Überschüsse werde
es zu einer Reduzierung der Kapazität kommen oder auch zu einem
Zusammenbruch ganzer Produktionsketten. Windhorst prophezeit
ernsthafte Liquiditätsprobleme für die Landwirte und warnt
ausdrücklich vor dem Ausscheiden einer nicht unbeträchtlichen Zahl
von Vertragsmästern, wenn der Konzern die Kapazität wieder
zurückfährt und Verträge gekündigt werden. Der deutsche Markt für
Masthühner ist laut Windhorst mit einem Selbstversorgungsgrad von
105,3 Prozent mehr als gesättigt, und auch der Binnenmarkt der EU ist
bereits überversorgt. Das Krankheits- und Seuchenrisiko werde sich
verschärfen, ebenso das Problem der umweltverträglichen Verwertung
der tierischen Exkremente.
„Wir sehen uns in unseren Aussagen gegen den Bau des
Geflügel-Schlachthofs und den damit verbundenen Mastanlagen
bestätigt“, sagt Ina Müller-Arnke, Nutztier-Expertin bei VIER PFOTEN.
„Der Widerstand gegen die Neuerrichtung von Mastanlagen kommt nicht
nur von Tier- und Umweltschutzorganisationen, sondern auch von den
Landwirten selbst. Wenn all diese Bedenken selbst von einem
Agrarindustrie-Experten veröffentlicht werden, sollte dies auch den
letzten zögernden Landwirt nachdenklich stimmen. VIER PFOTEN fordert
deshalb alle Landwirte auf, sich nicht aufs Glatteis führen zu
lassen. Entscheiden Sie sich gegen den Neu- oder Ausbau von
Masthühneranlagen und schließen Sie sich dem Protest von über 100
Bürgerinitiativen und zahlreichen Tier- und
Umweltschutzorganisationen an.“
Die intensive Haltung von Masthühnern bedeutet für die Tiere ein
kurzes Leben in qualvoller Enge. Jeden Monat sterben von 40.000
Tieren durchschnittlich 3.000 Tiere noch vor der Schlachtung und
erreichen somit nicht einmal ein Alter von vier Wochen. Die Tiere
leiden entsetzlich, da sie durch die enge Aufstallung und durch die
Zucht auf extremen Fleischansatz nicht richtig laufen können. Viele
verdursten, weil sie die Tränken nicht erreichen oder sterben am
plötzlichen Herztod, da das Herz-Kreislaufsystem mit dem extremen
Wachstum nicht mithalten kann. „Allein dies ist Beweis genug dafür,
dass diese Form der Tierhaltung absolut inakzeptabel ist“ so
Müller-Arnke abschließend.
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