Berlin, 03.09.2014 – Zum meteorologischen Herbstbeginn am 1. September ist ein unwetterreicher Sommer zu Ende gegangen, der viel Arbeit für Versicherungen mit sich brachte. Andreas Wagner von der MeteoGroup-Unwetterzentrale zieht Bilanz: „Die Unwetterlage Ende Juli 2014 gehört zu den heftigsten sommerlichen Lagen der vergangenen Jahre. Zeitweise waren mehr als 100 Gewitterzellen gleichzeitig in Deutschland unterwegs. Nur 2002 gab es noch mehr Tage mit Unwetterwarnungen als in diesem Sommer.“
Der Sommer 2014 in Deutschland war geprägt vom Wechsel zwischen meist nur kurzen heißen Phasen sowie teils schwül-warmen für Schauer und Gewitter anfälligen Perioden. Fehlender Hochdruckeinfluss sowie sehr feuchte und warme Luftmassen sorgten für zahlreiche Unwetter mit extremen Starkregen und großen Überschwemmungen.
Der Juni und das Pfingst-Gewitter
Im Nordwesten und in weiten Teilen des Landes lag der Juniniederschlag teils deutlich, teils nur leicht unter dem Mittel. Der Nordosten übertraf das Niederschlagssoll hingegen teilweise um mehr als 80%. Am Pfingstmontag überquerte eine Gewitterfront mit Orkanböen, extremem Starkregen und zehntausenden Blitzen große Teile von Nordrhein-Westfalen. In einigen Städten wie Düsseldorf, Essen und Bochum richtete der Gewittersturm größere Schäden als beim Winterorkan Kyrill Anfang 2007. Der Spitzenwert mit 143 km/h wurde vom Düsseldorfer Flughafen gemeldet. Es entstanden immense Schäden an Hochspannungsleitungen, an Autos durch umstürzende Bäume sowie an Gebäuden. Der Bahnverkehr kam zeitweise vollständig zum Erliegen. „Ein sommerliches großräumiges Unwetter wie am Pfingstmontag ist sehr selten. In diesem Fall kam erschwerend hinzu, dass die belaubten Bäume dem Sommersturm eine enorme Angriffsfläche boten“, erläutert Meteorologe Andreas Wagner. Todesopfer und erhebliche Sachschäden waren die Folge. Nach Medienberichten liegt die Schadenssumme bei etwa 650 Millionen Euro. Bei den Kfz-Versicherern wurden über 100.000 Schadensfälle gemeldet. Mehrere Menschen kamen in Nordrhein-Westfalen ums Leben. Eine vergleichbare Gewitterfront mit Orkanböen überquerte am 10. Juli 2002 den Osten Deutschlands und richtete vor allem in Berlin schwere Schäden an.
Häufige Niederschläge
Im Juli wurde dann auch im Nordwesten das Niederschlagssoll um 70% überschritten (Osnabrück, MeteoGroup-Wetterstation). Im Vergleich zum restlichen Deutschland, außer dem äußersten Norden, lässt sich diese Abweichung aber noch als harmlos bezeichnen. Häufige Unwetter mit Starkregenereignissen ließen die tatsächliche Niederschlagsmenge zur Juli-Durchschnittsmenge um das 2- bis 4-fache ansteigen. Besonders betroffen war die Stadt Münster. An der MeteoGroup-Wetterstation in Münster wurde am 28. Juli 2014 mit 122,2 Liter pro Quadratmeter ein neuer Rekord für den Tagesniederschlag an dieser Messstation aufgestellt. Das Niederschlagsmaximum lag jedoch lokal bis fast 300 Liter pro Quadratmeter bei einer Niederschlagsmessstation des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. „Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sind solche Werte noch nie im Raum Münster gemessen worden. Die in Münster gefallenen Regenmengen stellen ein Jahrhundertereignis dar. Hier zogen gleich mehrere starke Gewitter nacheinander über dasselbe Gebiet hinweg“, so Andreas Wagner. Die Folge waren Überschwemmungen von zahlreichen Gebäuden, Straßen und Wegen. Die Höhe des Schadens in Nordrhein-Westfalen liegt nach Medienberichten in dreistelliger Millionenhöhe. Insgesamt zeigt sich, dass im Vergleich zu 2013, als Hagel wetterbedingte Schäden verursachte, dieses Jahr große Schäden durch Sturm und Niederschlag entstanden.
Der August
Einer schwül-warmen und gewitterträchtigen ersten Augustdekade folgten zwei wechselhafte und zeitweise deutlich unterkühlte Dekaden. An vielen Tagen blieben die Temperaturen unter 20 Grad. Höhenkaltluft aus polaren Breiten brachte beim Überstreichen der warmen Nord- und Ostsee tagelang immer wieder kräftige Schauer und auch einige Gewitter mit sich, so dass das Wetter eher an einen April erinnerte.
„Trotz aller Wetterunbilden sei erwähnt, dass die Sonnensieger des Sommers 2014 in Norddeutschland liegen. Die drei sonnigsten Orte waren Darsser Ort (928 h), Julisruh/Rügen (905 h) und Hiddensee-Dornbusch (903 h)“, erläutert Meteorologe Andreas Wagner.
Wetterlösungen für Versicherer
MeteoGroup unterstützt Versicherer mit hochpräzisen, ortsgenauen Wetterinformationen, Unwetterwarnungen und Expertisen während des gesamten Prozesses von der Schadenprävention über das Schadenmanagement bis hin zum Risikomanagement. Versicherern und Schadenregulierern bietet MeteoGroup einen schnellen und zuverlässigen Zugriff auf sämtliche schadenrelevante Wetterdaten. So kann die Plausibilität von Schadenmeldungen einfach und fundiert bewertet werden. Ein geringer Bearbeitungsaufwand und klare Aussagen zu schadenrelevanten Wetterereignissen schonen die Arbeitszeit und sparen Kosten. Neben präzisen Wetterdaten für die Abwicklung von Einzelschadenfällen stellen hierbei Unwetterkarten, sogenannte „Footprints“, die MeteoGroup zur Verarbeitung in Geographischen Informationssystemen (GIS) bereitstellt, einen besonderen Mehrwert dar. Sie ermöglichen eine schnelle Analyse auch von Massen- und Kumulschadensfällen. Präzise Wetterdaten und meteorologische Lösungen nach Maß garantieren Versicherern eine zuverlässige Erkenntnis über die Schadensursache und helfen unberechtigte Ablehnungen, aber auch unnötige Auszahlungen zu vermeiden.
Verifikationen der Unwetterzentrale zu herausragenden Unwetterereignissen unter http://www.unwetterzentrale.de/uwz/221.html