Im Verhandlungspoker um die insolvente Karstadt AG
übt die stellvertretende Verdi-Vorsitzende, Margret Mönig-Raane,
Kritik am Verhalten der Deutschen Bank. Das Institut irrlichtere in
der Frage, ob es den Investor Nicolas Berggruen oder den
italienischen Kaufhausbetreiber Maurizio Borletti unterstütze, wie
sie gegenüber dem ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ sagte.
Mönig-Raane erklärte weiter: „Man kann sich keinen klaren Reim
darauf machen, was das soll. Ich glaube, dass die Illusion, man könne
beliebig von dem einen auf den anderen Investor springen, und sich
aussuchen, was in der Fantasie am tollsten ist, mit reinspielt. Aber
zu glauben, man könne in einem so weit fortgeschrittenen Prozess den
einen Käufer gegen den anderen austauschen, ist eine Illusion.“
Berggruen hat bereits einen Kaufvertrag, der aber erst nach einer
Einigung mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet in Kraft tritt. Die
Einigung steht noch aus. Am Freitag läuft die Frist ab. An Highstreet
ist auch die Deutsche Bank über einen Fonds beteiligt. Borletti hat
sein Kaufangebot erst nach dem Zuschlag für Berggruen vorgestellt,
aber mit Highstreet nach eigenen Angaben bereits eine Einigung
erzielt.
Auch Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg beklagt sich in einem
Schreiben an den Vorstand der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, vom
17. August, der „Report Mainz“ im Wortlaut vorliegt, deutlich über
das Verhalten der Bank. In einem Gespräch mit einem hochrangigen
Mitarbeiter der Deutschen Bank seien ihm „die angeblichen Vorteile
eines Vertrages mit Maurizio Borletti in einer Weise geschildert
[worden], die an die Verleitung zu einem Vertragsbruch erinnert.“ Und
weiter: „Dass ein Gesellschafter von Highstreet [Die Deutsche Bank]
nach der grundsätzlichen Einigung schon am 23./24. Juni ungefähr
zeitgleich mit der Ausformulierung der Vertragswerke und der
Festlegung der letzten offenen Details die Fahne wechselt und damit
das Ganze riskiert, ist schlicht unverständlich, gegen die Interessen
von Kunden und Lieferanten und von einigen zigtausend Menschen.“
Der Sprecher des Insolvenzverwalters, Thomas Schulz, erklärte
dazu: „Wenn alle Beteiligten signalisieren, wir sind grundsätzlich
durch, dann ist es unverantwortlich und hat etwas von Monopoly, wenn
dann weiter auf den Nerven der Mitarbeiter und Lieferanten rum
getrampelt wird.“
Maurizio Borletti sieht seine Chancen, Berggruen noch
auszustechen, steigen. Gegenüber „Report Mainz“ erklärte er wörtlich:
„Unter den Vermietern gibt es große Unruhe, die sogar zunimmt. Einer
muss nein sagen. Und da gibt es einige, die guten Grund haben, nein
zu sagen. Das ganze Highstreet-Konsortium hat gezeigt, dass es uns
unterstützt, dass es uns bevorzugt.“
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an „Report Mainz“, Tel.: 06131/929-3351.