Eschborn, 19. April 2011 — 76 mittelständische Unternehmen des produzierenden und des Gastgewerbes gaben Auskunft. Die Antworten auf die Online-Befragung zeigen, dass eine Reihe von Unternehmen bereit sind, Verbesserungspotenziale durch Arbeitszeitgestaltung zu nutzen. „In fast jedem zweiten Unternehmen werden regelmäßig Ãœberstunden geleistet, um Mehrarbeit aufzufangen“, erklärt Hans-Henning Kraeter, Gesamtprojektleiter für das Projekt ArbeitsZeitGewinn beim RKW Hessen. „Mit flexiblen Gestaltungsmodellen wie etwa Arbeitszeitkonten lässt sich die Arbeit oft besser verteilen.“ Auf Teilzeitarbeit setzen bereits zwei Drittel der befragten Unternehmen. Sie können der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf dienen. Den gleitenden Ãœbergang aus dem Beruf in den Ruhestand bieten lediglich ein Viertel der Unternehmen bereits an, darunter nahezu keine kleinen und Kleinstbetriebe. Â
Wie die Erhebung weiter zeigt, sind Gleitzeitmodelle sowie die sogenannte „Vertrauensarbeitszeit“ auf dem Vormarsch. In diesen Modellen genießen die Beschäftigten selbst mehr Gestaltungspielraum für ihre Arbeitszeiten. Vertrauensarbeitszeit wird bereits von einem Drittel der befragten Unternehmen praktiziert. Â
Arbeitszeitkonten erhöhen Flexibilität Â
Große Veränderungspotenziale für Unternehmen liegen laut der RKW-Studie insbesondere in den Bereichen Arbeitszeitkonten, Teilzeitarbeit und Gleitzeitmodelle. Für mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen sind Arbeitszeitkonten von Interesse. Diese versprechen ein deutliches Plus an Flexibilität bei der Aufgabenverteilung. Gerade kleine und mittlere Betriebe haben hier noch deutlichen Nachholbedarf. Bislang setzen nur 43 Prozent der Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten bereits Arbeitszeitkonten ein. Erfreulich: Schon fast 40 Prozent der Unternehmen haben ihren Mitarbeitern ein Mitspracherecht bei der Arbeitszeitgestaltung eingeräumt. Â
Die Studie gibt klaren Aufschluss über die Ziele, die Unternehmen mit der Gestaltung der Arbeitszeit verfolgen. „Nahezu 80 Prozent der befragten Firmen nennen hier betriebswirtschaftliche Motive wie etwa die Steigerung der Produktivität. Den ‚langfristigen Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit‘ und die ‚Gesunderhaltung der Beschäftigten‘ betrachten 69 Prozent als wichtig“, berichtet Hans-Henning Kraeter. „Stehen bei den Großunternehmen mit über 250 Beschäftigten überwiegend betriebswirtschaftliche Aspekte im Vordergrund, verbinden die Kleinstunternehmen mit einer Veränderung der Arbeitszeit vorwiegend mitarbeiterorientierte Ziele. „Insgesamt scheint der beginnende Fachkräftemangel eine Trendumkehr in Richtung auf eine stärkere Berücksichtigung von Mitarbeiterwünschen zu bewirken“, so der Projektleiter weiter. Â
Als besondere Herausforderung bei der Einführung flexiblerer Arbeitszeitmodelle schätzen rund ein Drittel der Befragten sowohl Vorbehalte der Beschäftigten als auch den damit verbundenen Aufwand ein. Fehlende Kenntnisse in Sachen Arbeitszeitgestaltung nennt ein Viertel der Befragten. Vor diesem Hintergrund will das RKW Hessen mit seinem Beratungsangebot Unternehmen bei der Einführung und Optimierung flexibler Arbeitszeitmodelle unterstützen.
Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Studie sowie dem Projekt ArbeitsZeitGewinn gibt es im Internet unter: www.arbeits-zeit-gewinn.de. Â
Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte und von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fachlich begleitete Projekt „ArbeitsZeitGewinn“ wird vom RKW Hessen in Kooperation mit der FOM Hochschule für Oekonomie & Management sowie dem RKW Kompetenzzentrum durchgeführt. Projektträger ist die Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung mbH.