„Schade nur, dass Menschen auf allen Hierarchieebenen, ob Personalabteilung, Meister oder Vorstand, unbewusste Vorurteile aus der eigenen Sozialisation in ein Unternehmen tragen“, erklärt die interkulturelle Kommunikationsberaterin Astrid Thomessen und fügt an: „Unser Gehirn ordnet die Welt in Schubladen und bei neuen Informationen öffnen wir schnell und leicht die vermeidlich passende Schublade und legen die Information hinein!“
„Auf diese Art wird nicht die beste Entscheidung für eine Stellenbesetzung, eine wissenschaftliche Projektleitung oder ein qualifiziertes Teammitglied getroffen“, erklärt Thomessen, die als Trainerin unbewusste Vorurteile in Unternehmen aufspürt und auf die Bewusstseinsebene hebt. Gesellschaftliche Diversität war einer der untersuchten OECD-Faktoren, für die Diversity-Expertin jedoch ein wichtiger Entscheidungsfaktor für Beschäftigte aus dem Ausland.
Vorurteile sind an persönliche Erfahrungen und Emotionen gekoppelt und kennzeichnen subjektiv – durch negative und positive Bewertungen – bestimmte Gruppen. Gemeinsam mit Stereotypisierungen charakterisieren sie das unvollständige Wissen über soziale Gruppen – beispielsweise Frauen, Männer, Ausländer und Ausländerinnen, Behinderte oder Ältere.
Unbewusste Vorurteile umgehen den Instinkt und den Kontrollmechanismus, der aus Vorurteilen möglicherweise zu betrieblicher Diskriminierung führt. „Daher sollte sich jeder gezielt mit unbewussten Vorurteilen strategisch auseinandersetzen“, so Thomessen. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollten Chancen und Wertschätzung erfahren, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Orientierung. Als international erfahrener Coach ist sie überzeugt, dass die Förderung vielfältiger Potentiale zu mehr Profitabilität und Kreativität sowie zu besseren Lösungsansätzen bei der Erschließung neuer Märkte und Zielgruppen oder bei Rekrutierung und Bindung von Fachkräften führt.
Entscheidend sei es, sich der unbewussten Vorurteile und der negativen Auswirkungen bewusst zu sein und diese zu reflektieren. Allein diese persönliche Denkleistung hilft dabei, konstruktiv Lösungen zu entwickeln, zielorientiert und unternehmerisch zu handeln und bessere Entscheidungen im richtigen Moment zu finden. „Dies belegen viele Studienergebnisse und internationale Erfahrungen“, begründet die Politologin. Um die „Herausforderungen 4.0“ zu bewältigen, befähigt Thomessen Unternehmen strategisch und erfolgreich mit Vorurteilen umzugehen.