Unabhängigkeit und Neutralität sind seit Jahren ein
wichtiges Thema bei den Mitgliedsverbänden der BAG SELBSTHILFE und
des FORUMs chronisch kranker und behinderter Menschen im
PARITÄTISCHEN Gesamtverband. Dies gilt insbesondere für den Umgang
mit der Pharmaindustrie. Aus diesem Grunde haben die BAG SELBSTHILFE
und das FORUM im PARITÄTISCHEN Leitsätze erarbeitet, die die Grenzen
des Zulässigen aufzeigen. Die Einhaltung dieser Leitsätze wird durch
das sogenannte Monitoring- Verfahren gesichert, in dem mögliche
Verstöße überprüft werden. Um zukünftige Verstöße zu vermeiden,
beraten die Monitoring-Ausschüsse zudem die Mitgliedsverbände. Die
Eigenmittel der chronisch kranken und behinderten Menschen, die die
Selbsthilfeorganisationen tragen, reichen oftmals nicht aus, die
Vielzahl ihrer Aktivitäten zu finanzieren. Von daher sind die
Organisationen häufig auf Spenden und Förderungen angewiesen. Auch
Wirtschaftsunternehmen fördern Selbsthilfeprojekte. Die Annahme
dieser Fördermittel birgt aber die Gefahr, dass sich die
Selbsthilfeverbände bewusst oder unbewusst an den Anliegen der
Wirtschaftsunternehmen orientieren, oder dass die Unternehmen gezielt
versuchen, auf die Willensbildungsprozesse der Selbsthilfe Einfluss
zu nehmen.
Es ist unabdingbar, dass die Selbsthilfeverbände als Anlaufstellen
von ratsuchenden Menschen ihre Neutralität und Unabhängigkeit
bewahren. Um dies zu gewährleisten, gibt es seit 2005 das sogenannte
Monitoring-Verfahren, das der Beratung und Information der
Mitgliedsverbände dient, mit dem aber auch die Leitsätze
weiterentwickelt und Verstöße gegen diese Leitsätze sanktioniert
werden sollen. Der Monitoring-Ausschuss nimmt dabei selbst initiativ
Prüfungen problematischer Fälle vor. Weiter bringen die
Mitgliedsorganisationen eigene Fälle ein, wenn sie einen Verstoß
gegen die Leitsätze befürchten. Aber auch Dritte – wie beispielsweise
Krankenkassen – können sich an die Monitoring-Prüfstelle wenden, wenn
sie bei Verbänden den Verdacht auf einen Verstoß gegen die
Selbsthilfe-Leitsätze vermuten. Die Ausschüsse haben im vergangenen
Jahr 13 Fälle entschieden, weitere Verfahren sind derzeit noch in der
Bearbeitung.
Das Monitoring Verfahren soll jedoch nicht nur dazu dienen,
vergangene Verstöße festzustellen, sondern auch neue zu verhindern.
So wurde etwa ein Muster zur Selbstauskunft für Wissenschaftliche
Beiräte entwickelt. Denn viele Selbsthilfeorganisationen werden von
ihren wissenschaftlichen Beiräten in medizinischen Fragen beraten und
möchten wissen, ob es hier Kontakte zu Wirtschaftsunternehmen gibt
und wie diese aussehen. Zur Erläuterung der Leitsätze hat der
Monitoring-Ausschuss zudem die Arbeitshilfe aktualisiert, die den
Verbänden die Leitsätze anhand praktischer Beispiele und
entschiedener Fälle konkret nahe bringen soll. „Die Arbeitshilfe ist
eine sehr gute inhaltliche Ergänzung zu den Leitsätzen, so dass die
Selbsthilfeorganisationen chronisch kranker und behinderter Menschen
eine noch größere Handlungssicherheit im Umgang mit
Wirtschaftsunternehmen erhalten“ fasst Dr. Martin Danner,
Geschäftsführer der BAG SELBSTHILFE, das Arbeitsergebnis zusammen.
„Die Verbände können jetzt noch einfacher als bislang konkrete
Vorhaben anhand der Arbeitshilfe überprüfen und einschätzen“, urteilt
Burkhard Stork, Leiter der Bundesgeschäftstelle der Deutschen Morbus
Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung DCCV e.V. und Vorsitzender des
Monitoringausschusses.
Die BAG SELBSTHILFE e.V. – Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE
von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren
Angehörigen – ist die Vereinigung der Selbsthilfeverbände behinderter
und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen in Deutschland.
Sie ist Dachverband von 109 bundesweit tätigen
Selbsthilfeorganisationen, 14 Landesarbeitsgemeinschaften und 5
Fachverbänden. Über ihre Mitgliedsverbände sind in der BAG
SELBSTHILFE mehr als eine Million Menschen mit körperlichen,
seelischen und geistigen sowie Sinnes-Behinderungen und Menschen mit
unterschiedlichsten chronischen Erkrankungen zusammengeschlossen.
Das „Forum chronisch kranker und behinderter Menschen“ wurde im
Jahre 1986 als ein übergreifender Zusammenschluss von 37 der 92
bundesweit agierenden Selbsthilfeorganisationen und zugleich
Mitgliedsverbänden des PARITÄTISCHEN Gesamtverbandes gegründet. Das
FORUM vertritt die Interessen chronisch kranker und behinderter
Menschen im PARITÄTISCHEN nach innen (Mitglieder, Verbandsrat,
Vorstand, Hauptgeschäftsstelle) und außen. Der PARITÄTISCHE
Gesamtverband unterstützt diese Aktivitäten auf Bundesebene und durch
seine 15 Landesverbände.
Pressekontakt:
Achim Weber, Tel.: 030/24636321, E-Mail: selbsthilfe[at]paritaet.org