Südwest Presse: Kommentar zum Thema Arbeitsmarkt

Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) ist bekannt für
markige Sprüche. „Lieber befristete Arbeit als unbefristet
arbeitslos“ ist so einer. Mit ihm argumentierte er 1984 für sein
Beschäftigungsförderungsgesetz. Das Gesetz eröffnete die Option
befristete Arbeitsverträge für die Dauer von einem Jahr
abzuschließen. Heute, nach weiteren Gesetzen, können Unternehmer ihre
Mitarbeiter inzwischen für zwei Jahre befristet beschäftigen und
leichter entlassen. Und die Reformen zeigen Wirkung. Die unbefristete
Vollzeitstelle wird seltener. Befristete Jobs nehmen zu. Diese
Flexibilisierung ist einerseits positiv. Unternehmer können besser
auf Krisen reagieren und besser durchstehen. Sie investieren eher in
den Standort Deutschland, sichern und schaffen Arbeitsplätze. Doch
die negativen Folgen dieser Flexibilisierung hat die Politik bis
heute ausgeblendet. Jeder zweite atypisch Beschäftigte erhielt 2006
einen Bruttostundenverdienst unter der Niedriglohngrenze. Die lag
damals bei 9,85 Euro. Wie soll da ein Mensch für die Rente vorsorgen?
Unmöglich. Wenn es keine Reformen gibt, werden diese Menschen ihren
Lebensabend nicht genießen können, sondern arm und auf staatliche
Hilfe angewiesen sein. Die Politik muss deshalb die Flexibilisierung
insgesamt sozialer gestalten. Wie – dafür gibt es Vorschläge:
„Mindestlohn“, „Grundrente“, „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ sind
die Schlagwörter. Blüm hat den Fehler der Politik inzwischen erkannt,
nennt die Erleichterung befristeter Beschäftigung seinen „größten
politischen Fehler“. Und argumentiert, prägnant wie immer: „Aus
Hungerlöhnen werden Hungerrenten.“

Pressekontakt:
Südwest Presse
Lothar Tolks
Telefon: 0731/156218