Südsudan: „Unvorstellbare Grausamkeiten gegen Frauen und Mädchen“ Neuer CARE-Bericht zeigt dramatischen Anstieg sexualisierter Gewalt und fordert Aufstockung humanitärer Hilfe

Im Vorfeld der internationalen Geberkonferenz
für den Südsudan morgen im norwegischen Oslo veröffentlicht die
Hilfsorganisation CARE heute einen Bericht über den
besorgniserregenden Anstieg von sexualisierter Gewalt in dem
Krisenland. „The Girl Has No Rights. Gender-based Violence in South
Sudan“ verbindet aktuelle Augenzeugenberichte mit einer Erhebung zum
Thema, die im Herbst 2013 bereits vor dem Aufflammen der Gewalt von
CARE unternommen wurde.

„Was Frauen und Mädchen hier erleiden müssen, ist unvorstellbar
grausam“, berichtet Aimee Ansari, CARE-Länderdirektorin im Südsudan.
„Sie werden gefesselt, vergewaltigt und dann erschossen. Frauen
werden in Kirchen und Krankenhäusern überfallen, wo sie mit ihren
Familien Zuflucht gesucht haben. Es gibt keinen sicheren Ort für sie
hier im Südsudan.“

Der Bericht beleuchtet die weitverbreiteten sozialen Normen und
Praktiken im Land. Sie sind eine Ursache dafür, dass Mädchen keine
Bildung erhalten, dass der Wert einer jungen Braut regelmäßig in Form
von für sie bezahltem Vieh bemessen wird und dass Überlebende von
Vergewaltigungen dazu gezwungen werden, still zu leiden, anstatt die
Misshandlungen öffentlich zu machen. In den seltensten Fällen
erhalten sie medizinische und psychologische Unterstützung, von
legalem Beistand ganz zu schweigen.

Seit der jüngsten Eskalation der Gewalt im Land hat sich die
Situation für Frauen und Mädchen noch deutlich verschlechtert,
berichtet CARE-Chefin Ansari: „Viele Frauen und sogar junge Mädchen
müssen ihre Körper im Tausch gegen Wasser oder Nahrung verkaufen.“
Kinderheirat bedeute zudem eine wertvolle Mitgift für die Familie und
einen hungrigen Magen weniger im Haushalt, dazu erhofften sich die
Eltern durch eine Ehe Sicherheit für ihre Töchter. Vergewaltigung und
sexuelle Übergriffe würden außerdem als Kriegswaffe genutzt, so
Ansari.

An die internationale Gemeinschaft appelliert die
Hilfsorganisation, schnellstmöglich eine politische Lösung für die
Krise zu finden und auf den enormen humanitären Bedarf im Land zu
reagieren. Gut 900 Millionen Euro werden benötigt, so schätzen die
Vereinten Nationen, um die Versorgung der Bevölkerung mit dem
Lebensnotwendigsten zu sichern. Es drohe eine Hungersnot in einigen
Teilen des Landes, die heute schon Nahrungsengpässe verzeichnen.
CARE-Teams berichten von Menschen, die dem Hungertod nahestehen.

Doch auch wenn ein Ende der Gewalt und die Eindämmung der
Nahrungskrise unmittelbare humanitäre Priorität haben, appelliert
CARE mit dem Bericht an Geber, die weitverbreitete sexualisierte
Gewalt umfassend zu bekämpfen. Die Organisation fordert unter anderem
die Finanzierung des Aktionsplans, den das UN/NGO-Cluster im Südsudan
gemeinsam erarbeitet hat. Außerdem seien Investitionen in die
Unterstützung von Überlebenden, die Ausbildung von medizinischem
Personal, Sozialarbeitern und den Gemeinden selbst notwendig, um
Fälle sexualisierter Gewalt zu identifizieren und die Überlebenden
angemessen zu unterstützen. Dringend benötigt würden auch bessere
Informationsdienste zur Überweisung von Fällen an medizinische und
psychologische Hilfsstellen.

„Wenn der Konflikt anhält, wird bis Ende des Jahres die Hälfte der
Bevölkerung auf der Flucht sein oder Hunger leiden; tausende werden
ihr Leben verloren haben“, warnt Aimee Ansari. „Vergewaltigungen und
sexuelle Ãœbergriffe hinterlassen in den Gemeinden tiefe Wunden, die
auch noch lange nach einer Waffenruhe nicht heilen. Diese Gräueltaten
müssen sofort gestoppt werden.“

Hintergrund: CARE hilft im Südsudan mit Nahrung, Wasser und
medizinischer Versorgung und leistet auch im Nachbarland Uganda
Nothilfe für Flüchtlinge. Die Hilfsorganisation arbeitet seit 1993 im
südlichen Sudan und konnte nach dem Friedensabkommen 2005 ihre Arbeit
auf die Bundesstaaten Jonglei und Upper Nile ausweiten. Seit der
Unabhängigkeit des Südsudans 2011 unterstützt CARE Rückkehrer bei der
Wiedereingliederung und hat seine Arbeit auch auf
Entwicklungsprogramme ausgeweitet. Dabei stehen die Gesundheit von
Frauen und Mädchen sowie ihre gesellschaftliche Stellung im
Mittelpunkt der Arbeit. Der Südsudan hat eine der höchsten
Müttersterblichkeitsraten der Welt, zudem werden Mädchen häufig früh
verheiratet und verpassen Bildungschancen.

CARE bittet um Spenden für die Nothilfe im Südsudan:

CARE Deutschland-Luxemburg

Sparkasse KölnBonn Konto: 4 40 40 | BLZ: 370 50 198 IBAN: DE93
3705 0198 0000 0440 40 BIC: COLSDE33 www.care.de/spenden

Der Bericht „The Girl Has No Rights“ ist online abrufbar unter
www.care.de

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Sabine Wilke
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