Wichtigstes Ziel der Unternehmerkinder ist es,
selbstständig und eigenverantwortlich zu leben / 55 Prozent wollen
die elterliche Firma übernehmen / Klarer Fokus auf Wachstum und
Innovation / Für 97 Prozent kommt ein Verkauf der Firma nicht infrage
/ 45 Prozent spenden oder engagieren sich für soziale Zwecke
Hamburg, 25. August 2010 – Deutschlands Unternehmerkinder suchen
mehrheitlich die unternehmerische Verantwortung und wollen den
elterlichen Betrieb übernehmen. Diese Zukunftspläne äußerten 55
Prozent der über 200 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus
Unternehmerfamilien im Alter zwischen 16 und 35 Jahren, die sich an
der Studie zu Deutschlands nächster Unternehmer-Generation
beteiligten. Es ist die größte Studie, die in Deutschland bislang zu
diesem Thema gemacht wurde. Das Wirtschaftsmagazin “impulse“ (Ausgabe
9/2010, EVT 26. August) initiierte sie anlässlich seines 30-jährigen
Bestehens gemeinsam mit der Zeppelin Universität (Lehrstuhl für
Innovation, Technologie und Entrepreneurship am Friedrichshafener
Institut für Familienunternehmen) und der Stiftung
Familienunternehmen. „Diese Generation ist eine Leistungs-Elite. Sie
sehen sich schon früh in der Verantwortung für das
Familienunternehmen – und für die Gesellschaft“, erklärt der
wissenschaftliche Leiter der Studie, Prof. Dr. Reinhard Prügl von der
Zeppelin Universität.
Der Untersuchung zufolge planen lediglich 14 Prozent der
Unternehmerkinder, nicht im Familienunternehmen operativ tätig zu
sein. Gut ein Viertel (27 Prozent) war noch unschlüssig, für vier
Prozent gehört diese Frage nicht zu ihrer Entscheidungskompetenz. Bei
der Nachfolgefrage verspürten nur 27 Prozent Druck von Seiten ihrer
Eltern. Viele Unternehmerkinder wissen aufgrund ihrer Erfahrungen in
der Familie schon sehr genau, was sie erwartet und was von ihnen
erwartet wird. So schätzen gut zwei Drittel (68 Prozent) von ihnen
das Unternehmen als stärker ein, wenn die Familienmitglieder aktiv
involviert sind, und 61 Prozent sind der Meinung, dass Kinder aus
Unternehmerfamilien Verantwortung für die Firma haben. Dass das
Unternehmen in den Händen der Familie bleibt, ist nahezu allen das
wichtigste Ziel bei der Nachfolgeregelung: Nur für knapp drei Prozent
kommt deshalb ein Verkauf überhaupt infrage. Sie wissen aber auch um
die Gefahren möglicher Konkurrenz unter Geschwistern: Für 97 Prozent
schade Rivalität unter den Kindern einer Unternehmerfamilie der
Firma.
Der Großteil der Unternehmerkinder hat klare Vorstellungen davon,
wie sie das Unternehmen führen wollen. Die Prioritäten liegen dabei
auf der progressiven Weiterentwicklung des Unternehmens: Expansion
und Wachstum (66 Prozent) sowie Investitionen in Innovation (61
Prozent) sind für sie vorrangig. Nur ein knappes Drittel (32 Prozent)
denkt in erster Linie an Kostensenkung. Schnellen Erfolg zu haben,
ist nur einer Minderheit wichtig. Sie setzen stattdessen stärker auf
Nachhaltigkeit.
Selbstbestimmtheit wichtigster Wert für Unternehmerkinder
Der Wunsch nach Freiheit und Selbstständigkeit ist bei
Unternehmerkindern stark ausgeprägt. Fast alle Befragten (96 Prozent)
sagen, der wichtigste Wert sei, eigenverantwortlich zu leben und zu
arbeiten. Aus diesem Grund sehen die meisten (53 Prozent) ihre
berufliche Perspektive in der Selbstständigkeit. Angestellt zu sein
im öffentlichen Dienst können sich dagegen nur sechs Prozent
vorstellen. „Bei allem Drang nach Selbstbestimmtheit sind für
Unternehmerkinder die Werte und die gelebte Unternehmenskultur ihrer
Eltern wichtig. Für sie ist Tradition und Wandel kein Widerspruch.
Vielleicht ist es die Kombination aus vermeintlich traditionellen
Werten wie Bescheidenheit und einer stetigen
Veränderungsbereitschaft, auf die die nächste Unternehmer-Generation
und unser ganzes Land aufbauen kann“, sagt Stefan Heidbreder,
Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.
Pflichtgefühl für das Familienunternehmen und die Gesellschaft
Wie die Studie weiter zeigt, ist sich eine klare Mehrheit der
eigenen Verantwortung bewusst, die auch über das Familienunternehmen
hinausgeht. Für 86 Prozent steht fest, dass man als Unternehmer aktiv
Verantwortung dafür trägt, eine Gesellschaft positiv zu gestalten.
Entsprechend viele Studienteilnehmer engagieren sich deshalb auf
unterschiedlichsten Gebieten. So setzen sich knapp 45 Prozent der
Unternehmerkinder persönlich oder mit Sachleistungen für soziale
Projekte ein, 28 Prozent engagieren sich im Sport, 24 Prozent in der
Kultur, fast 20 Prozent für die Umwelt und 14 Prozent für
Menschenrechte. „Deutschlands nächste Unternehmer-Generation will
nicht nur das Erbe ihrer Eltern bewahren, sie wollen etwas Eigenes
auf¬bauen und das gesellschaftliche Klima mitprägen“, beschreibt
“impulse“-Chefredakteur Dr. Nikolaus Förster die Ergebnisse.
Die Studie „Deutschlands nächste Unternehmer-Generation“
Die über 200 Unternehmerkinder im Alter zwischen 16 und 35 Jahren
wurden zu 130 Punkten befragt. 42 Prozent der Befragten vertreten
Unternehmen, die seit drei oder mehr Generationen in Familienhand
sind. Ein Fünftel der Firmen setzt mehr als 100 Millionen um. 53
Prozent beschäftigen mindestens 250 Mitarbeiter, 19 Prozent mehr als
1.000 Mitarbeiter. Das Wirtschaftsmagazin “impulse“ wird zusammen mit
der Stiftung Familienunternehmen und der Zeppelin Universität die
kompletten Ergebnisse Ende Oktober 2010 als wissenschaftliche Studie
veröffentlichen.
Die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung – ergänzt um Dutzende
Interviews – bilden den Kern der Titelgeschichte der
impulse-September-Ausgabe, die am 26. August erscheint. In einer
dreiteiligen Serie werden bis zum Jahresende weitere Aspekte des
Themas wie die Ausbildung und die Netzwerke der Unternehmerkinder
sowie ihr Umgang mit Geld weiter vertieft.
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