Bonn – Der deutsche Mittelstand nimmt aufgrund des erfolgreichen Geschäftsjahres 2013 deutlich an Fahrt auf. Das ergab die dritte Auflage der Studie „Triebwerk des Erfolgs – der deutsche Mittelstand im Fokus“ von GE Capital in Zusammenarbeit mit dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. Mehr als 1.000 Mittelständler waren Anfang 2014 bundesweit zur geschäftlichen Entwicklung, zu den Herausforderungen und zu ihren Zielen befragt worden. Das Ergebnis: Mehr als 75 Prozent der Unternehmen konnten den Umsatz im Vergleich zu 2012 steigern – nur sechs Prozent verzeichneten einen Rückgang. Besonders erfolgreich waren die Mittelständler, die international aktiv sind: Ihre Auslandsumsätze stiegen um fast 60 Prozent. Auch die Konzentration auf erfolgs- und mitarbeiterorientierte Personalführung trug laut Studie offensichtlich zum Erfolg bei. Allerdings gewinnt dabei das immer drängendere Problem der Fachkräfte-Gewinnung an Bedeutung.
Mit knapp 80 Prozent engagieren sich deutlich mehr deutsche Mittelständler im Ausland als in den drei anderen großen EU-Volkswirtschaften Großbritannien, Frankreich oder Italien. Insbesondere die mittelgroßen mittelständischen Unternehmen konnten dabei ihre Auslandsumsätze steigern. Die wichtigsten Auslandsmärkte liegen für die befragten Unternehmen weiterhin in der Eurozone: In diesen Ländern erwirtschaftete der Mittelstand 17 Prozent seines Gesamtumsatzes. Zum Vergleich: Der asiatisch-pazifische Raum spielt mit 6 Prozent nur eine untergeordnete Rolle. Gleichwohl erwägen 16 Prozent der Unternehmen, die in den kommenden fünf Jahren neue ausländische Märkte erschließen möchten, dort einen Markteintritt.
Vor allem mit Hilfe von innovativen technischen Lösungen oder Dienstleistungen planen die deutschen Mittelständler neue Märkte zu erschließen. Dabei werden Innovationen insbesondere durch ein starkes Engagement in Forschung und Entwicklung gestützt: So investierte der Mittelstand 2013 laut Studie im Schnitt 3,4 Prozent des Jahresumsatzes in Forschung und Entwicklung (F&E) – etwas mehr als 2012 (3,3 Prozent). Nach Angaben der Präsidentin des IfM Bonn Prof. Dr. Friederike Welter liegt damit die F&E-Quote nicht nur deutlich höher als die der deutschen Wirtschaft insgesamt, sondern auch als in anderen europäischen Ländern: „Forschung und Entwicklung wird heute als ein wichtiger Bestandteil der strategischen Unternehmensentwicklung verstanden. Rund jedes vierte der Unternehmen, die durch Innovationen neue Märkte erschließen wollen, versucht als erstes in einen neuen Markt einzutreten – und dort eine Monopolstellung aufzubauen.“ Für 2014 planen vier von zehn Mittelständlern – und darunter vor allem die international ausgerichteten Unternehmen – ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung noch auszuweiten.
Erstmals wurden im Rahmen der Studie auch die Führungsstile im Mittelstand hinterfragt und mit den wirtschaftlichen Erfolgen verglichen: 82 Prozent der Befragten gaben an, dass Mitarbeiter bei ihnen sehr klare Anweisungen bekommen. Dennoch werden in vielen Unternehmen zugleich die Arbeitnehmer häufig in Entscheidungen eingebunden. Zudem setzen 80 Prozent der befragten Unternehmen mit Umsatzwachstum auf Leistungsvereinbarungen und Mitarbeitergespräche. Diese Motivationshilfen fehlen bei rund 33 Prozent der weniger erfolgreichen Firmen mit stagnierender oder rückläufiger Umsatzentwicklung völlig. Erfolg durch Leadership kann mit Hilfe externer Partner rasch umgesetzt werden: „Anstöße und Hilfestellungen, wie sich das Thema in Angriff nehmen lässt, geben wir unseren mittelständischen Kunden im Rahmen unserer Initiative Access GE regelmäßig mit“, erklärt Joachim Secker. Die Initiative gibt Mittelständlern die Möglichkeit, vom internationalen Know-how des Konzerns – von Innovationsförderung bis Personal – zu profitieren.
Im Hinblick auf die Zukunft bleibt die Gewinnung von Fachkräften eine der größten Herausforderungen. Vor allem die Nachwuchs-Rekrutierung bereitet Sorgen. Daher plant die Mehrheit der mittelständischen Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten für die Rekrutierung in etwa so viel zu investieren wie im vergangenen Jahr – rund ein Drittel möchte sogar noch mehr für die Personalbeschaffung ausgeben. 44 Prozent der Unternehmen planen ihre Ausgaben für die Schulung und Förderung ihrer Mitarbeiter prinzipiell auszuweiten. Der größere Mittelstand hat das Thema Personal also als langfristige Sicherung für Wachstum und Innovation erkannt.
Die repräsentative Studie „Triebwerke des Erfolgs – der deutsche Mittelstand im Fokus“ basiert auf einer Befragung von 1.012 mittelständischen Unternehmen in Deutschland mit einem Umsatz zwischen 20 Mio. Euro und 1 Mrd. Euro. Zeitgleich wurden vergleichbare Unternehmen in Großbritannien (1.012), Frankreich (1.012) und Italien (1.005) befragt.
Weitere Hintergrundinformationen sind auf der Homepage des Institut für Mittelstandsforschung (www.IfM-bonn.org) abrufbar.