Ständige Erreichbarkeit durch digitale Medien: Technische Lösungen sind nur „Weiße Salbe“

Laut Goldschmidt sind gerade die Führungskräfte immer noch vom Stress dauernder Erreichbarkeit betroffen: „Es bleibt dabei, dass das mittlere und gehobene Management von den Maßnahmen größtenteils ausgenommen werden. In einem Großteil der Unternehmen wird immer noch von vielen vermutet, man müsse ständig erreichbar sein, wenn man Karriere machen will. Und im Sinne eines vorauseilenden Gehorsams bleibt man dann ständig auf Empfang.“
DIE FÜHRUNGSKRÄFTE sehen in der Debatte viel Blendwerk: Regelungen zur digitalen Erreichbarkeit sind bisher nur in einigen großen Konzernen getroffen worden, hier auch teilweise erst in Pilotprojekten. Die letztjährigen Zahlen der DFK-Erreichbarkeitsstudie zeigen: Nur in 1,9% der Unternehmen gibt es technische Vorkehrungen wie beispielsweise die Unterdrückung der E-Mail-Zustellung nach 18 Uhr. 81,7% haben keinerlei Maßnahmen, 7% appellieren an die Vorgesetzten und 10% an ihre Mitarbeiter, ihre Erreichbarkeit einzuschränken. „Wir beobachten, dass sich daran bis heute nichts Wesentliches geändert hat“, so Goldschmidt weiter.
Das Grundproblem besteht nach wie vor
Die DFK-Studie zur Beanspruchung durch digitale Kommunikationsmittel unter rund 1.000 Führungskräften im Mittelmanagement hat gezeigt: Knapp 90% gaben an, dass sie unter der Woche abends regelmäßig für ihr Unternehmen erreichbar sind. Bei über 70% ist dies auch am Wochenende der Fall. 58% sind im Urlaub ebenfalls stets auf Empfang. Konkrete Anweisungen dazu gibt es fast nie, doch die große Mehrheit von 64 % geht davon aus, dass man dies stillschweigend von ihnen erwartet. „Die Führungsaufgabe kann es durchaus erfordern, auch in der Freizeit erreichbar zu bleiben. Das kann aber keine Dauerlösung und kein Dauerzustand sein. Auch für Führungskräfte gibt es keine Verpflichtung zu ständiger und unbeschränkter Verfügbarkeit“, so Goldschmidt. „Lang andauernder, durchgehender Standby-Modus wird zu ungesundem Stress führen – auf jeder Hierarchieebene.“
Klare Vereinbarungen statt gesetzlicher Verbote
Klare Vereinbarungen sind im Unternehmen insgesamt von Nöten – auch für die mittleren Hierarchieebenen. Appelle, direkte Absprachen und betriebsinterne Regelungen, die auch die Führungskräfte betreffen, stehen hierbei ganz oben. Schulungen in Sachen „Gesundheit und Führung“ und zum effizienten Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln sollten hinzukommen. Die Vorsorge gegen eine übermäßige Belastung aufgrund ständiger Erreichbarkeit muss selbstverständlicher Bestandteil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements werden. Gesetzliche Regelungen (z.B. im Arbeitszeitgesetz) halten Führungskräfte für nicht zielführend. Es stellt sich hier schlicht weniger ein Regelungs- als ein Umsetzungsproblem. Ulrich Goldschmidt: „Trotz all der guten Ansätze: Wir stehen also erst am Anfang einer notwendigen Entwicklung hin zu einem bewussteren Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln. Wichtig sind eindeutige Signale der Unternehmensleitung, dass auch von Führungskräften keine ständige Erreichbarkeit erwartet wird.“

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