Aachen, 20.10.2010 – Die Software-Wartung bleibt einer der größten Streitpunkte zwischen Herstellern und Anwendern. Die Kunden stellen Kosten und Qualität in der Regel kein überzeugendes Zeugnis aus. Drittwartung bietet sich hier als Alternative an: Laut Studie können sich 76% der Unternehmen vorstellen, alternative Wartungsmodelle einzusetzen.* Dass bisher nur wenige deutsche Unternehmen die Wartung ihrer Software Dritten überlassen, dürfte wohl vor allem an Unwissenheit und Unsicherheit liegen.
Gemessen an anderen Ländern, ist der Markt für Drittwartung in Deutschland noch sehr klein. Laut Software-Experte Dr. Stefan Ried, Senior Analyst bei Forrester Research, sind die Unternehmen hierzulande noch sehr nah an den großen Software-Herstellern und entscheiden sich oft für eine Single-Vendor-Strategie.* Mögliche Gründe hierfür sind:
Unwissenheit: Bisher wissen nur innovative und gut informierte Unternehmen von der zusätzlichen Option „Alternative Wartung“. Wartungsoptimierung und eine perfekt durchgeplante IT-Strategie spielen leider noch oft eine untergeordnete Rolle.
Unsicherheit: Besonders KMU (Kleine und mittelständische Unternehmen) wollen es sich mit ihrem Software-Lieferanten nicht verscherzen. Aggressive Aussagen der Hersteller, bspw. über die Zukunftsfähigkeit von Drittwartung, erzeugen zusätzlichen Druck und führen zu Verunsicherung.
Gewohnheit: Um eingefahrene Prozesse zu verändern, muss die IT-Abteilung oft viel Überzeugungsarbeit leisten. Dabei lässt sich mit Drittwartung viel Geld sparen – ohne Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen.
Drittwartung als Konzept der Zukunft
Einige Untenehmen sparen bereits kräftig mit Drittwartung und beweisen, dass dieses Modell durchaus funktioniert. „Allerdings müssen sich Anwender im Klaren sein, wie sie ihre IT-Politik in der Zukunft gestalten wollen“, weiß Software-Experte Axel Susen, Initiator des Seestern IT Forums. „Denn da Drittwartung nicht vom offiziellen Software-Hersteller vorgenommen wird, muss man sich für Releases, Patches oder Service Updates etwas einfallen lassen. Hier werden von kreativen Unternehmen (Anwender und SAP-Spezialisten) im Markt gerade tragbare Konzepte erarbeitet. Die meisten Firmen können mit ihrer derzeit eingesetzten Software noch einwandfrei viele Jahre arbeiten.“ In einem solchen Fall ist man mit alternativen Wartungskonzepten unter Umständen sogar besser beraten – denn viele Anwender benötigen den teuren Support der Hersteller gar nicht, wie bspw. Ray Wang, Gründungspartner der Altimeter Group, feststellt.
Drittwartung stößt nicht nur auf Anwender-, sondern auch auf Anbieterseite auf großes Interesse: Bislang befindet sich der gewaltige Wartungsmarkt fest in der Hand des jeweiligen Quasi-Monopolisten. Der bekannteste Anbieter für z. B. SAP-Drittwartung dürfte Rimini Street Inc. sein, der bereits seit 2005 Fremdsupport anbietet. Doch auch große SAP-Systemintegratoren – laut Dr. Stefan Ried bspw. Siemens IT Solutions, IBM Global Services, Wipro oder Tata – bieten Drittwartung an. „Ich beobachte aber, dass ausländische Dienstleister lange brauchen, um die hiesige Mentalität zu verstehen“, so Susen. „Hier sehe ich großes Potential für deutsche Dienstleister.“
„Bei einer nachhaltigen IT-Strategie geht es auch darum, sich von der zukünftigen Preisentwicklung und Releasepolitik der großen Hersteller unabhängig zu machen“, erklärt Susen weiter. „Allein das Wissen um die Option Drittwartung kann zu einer optimierten IT-Landschaft mit niedrigeren Wartungskosten führen.“
* Die Befragungen wurden von Schwarze Consulting, Nürnberg, vorgenommen und in der IT-Mittelstand 07-08/2010, S.44-45, publiziert.
* Das sehr interessante Interview mit Dr. Stefan Ried findet sich unter http://www.silicon.de/mittelstand/0,39038986,41528027,00/wie_spart_man_beim_sap_support.htm