So sparen verarbeitende Unternehmen Materialkosten

Die jüngst bekannt gewordene Allianz zwischen dem weltgrößten Autokonzern General Motors (GM) und dem französischen Hersteller Peugeot Citroen gilt als aktuelles Musterbeispiel für produktive Effizienz: Zusammen lässt sich für beide mehr erreichen. Auch oder gerade im Bereich der Materialkosten: Laut Medienberichten planen beide Unternehmen die Gründung einer Einkaufsgemeinschaft. Das gemeinsame Einkaufsvolumen wird mit 125 Milliarden Dollar angegeben.

„Im verarbeitenden Gewerbe entfällt fast die Hälfte der Kosten auf Werkstoffe und Betriebsmittel“, erklärt Dr. Sebastian Dominic von Buch von der Unternehmensberatung Becker von Buch in Hannover. „Ein Zusammenschluss ähnlich aufgestellter Unternehmen kann bei Lieferanten aufgrund des höheren Ordervolumens erheblich bessere Konditionen durchsetzen.“ Bei vielen Firmen vor allem aus dem KMU-Bereich herrschten allerdings nach wie vor Berührungsängste, weiß der Experte. Hinzu käme, dass kleine und kleinste Unternehmen oft nicht wüssten, wie und wo Einsparungen bei den Materialkosten optimal greifen könnten. „Ohne genaue Analyse der jeweiligen Situation lässt sich leider keine pauschale Empfehlung geben“, so von Buch. Der Unternehmensberater verweist aber auf eine Institution, deren Expertise kostenlos für grundlegende Entscheidungsfindungen genutzt werden könne: die „Deutsche Materialeffizienzagentur“ (demea), eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi).

„Auf der Online-Plattform der demea – erreichbar unter www.demea.de – gibt es einen Selbstcheck“, sagt von Buch. Anhand von 13 Fragen ließe sich die eigene Materialeffizienz überschlägig ermitteln. Dass sich eine Ãœberprüfung lohne, zeigten die bisherigen Ergebnisse: So liege das durchschnittlich ermittelte Einsparpotenzial bei 215.000 Euro pro Jahr und Unternehmen. Dies bedeute im Durchschnitt eine Steigerung der Umsatzrendite um etwa 1,8 Prozentpunkte. Bis zu 20 Prozent der Materialkosten können demnach eingespart werden.

Wie von Buch weiter berichtet, greife das BMWi kleinen und mittleren Unternehmen auch finanziell unter die Arme. „Das Ministerium hat unlängst seine Innovationsgutscheine auf die Steigerung der Rohstoff- und Materialeffizienz ausgeweitet“, sagt er. Die Förderquote
betrage für die Erst- und Vertiefungsberatung einheitlich 50 Prozent. „Fast die Hälfte der empfohlenen Maßnahmen lassen sich ohne große Investitionen umsetzen“, so der Experte. „Zum Beispiel mit innerbetrieblicher Restrukturierung, Optimierung der Montagelinien, Verringerung der Materialvielfalt oder der Rückführung von Werkstoffen in den Fertigungsprozess.“ Ständig nur über immer höher werdende Material- und Rohstoffkosten zu klagen und die Personaldecke zu verdünnen, sei eindeutig der falsche Weg: „Im Einkauf liegt der Gewinn“, zitiert von Buch eine alte Kaufmannsregel und empfiehlt, dass sich branchenverwandte Unternehmen zu Einkaufs-Netzwerken zusammenschließen. „Kommt dann noch eine in jeder Hinsicht effiziente Produktion hinzu, sind verarbeitende Unternehmen auch in Zeiten schwankender Konjunkturaussichten gut aufgestellt.“

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