Silizium statt Alteisen: Chipkarte macht SeniorInnen smart

St. Pölten, 13. Dezember 2010 – Unterstützung im täglichen Leben erhalten SeniorInnen
zukünftig durch eine Chipkarte. Wie High-Tech für ältere Menschen zur Hilfe anstatt zur
Hürde wird, zeigen ForscherInnen des Instituts für IT Sicherheitsforschung der FH St.
Pölten in einer Machbarkeitsstudie. Diese ergab, dass Chipkarten die individuelle
Lebenssituation enorm verbessern können. Entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen
kann der Einsatzbereich von einfachen Erweiterungen bestehender Chipkarten-
Funktionen über Vereinfachungen im Haushalt bis hin zu autonomen Notfallfunktionen
reichen.

Mit Touchscreens oder High-Tech-Automaten verstehen viele SeniorInnen die Welt nicht
mehr. Viel zu komplex sind oftmals die Vorgänge für die einfachen Funktionen, die
eigentlich gewünscht sind. Schon beim Kauf einer Fahrkarte müssen zahlreiche
Entscheidungen getroffen – und elektronisch vermittelt – werden. Grundlegende
Erleichterung kann hier in Zukunft der Einsatz einer Chipkarte bieten. Denn obwohl
weltweit bereits rund fünf Milliarden Chipkarten im Einsatz sind, ist das Potential ihrer
Technologie bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Tatsächlich kann diese Technologie stärker als bisher für den individuellen Nutzen
ausgesuchter Bevölkerungsgruppen eingesetzt werden. Gerade SeniorInnen könnten
davon Nutzen haben. Denn sie sind in unserer schnelllebigen Welt immer wieder mit neuen
technischen Herausforderungen konfrontiert, die eigentlich von einem Chip besser
bewältigt werden könnten.

Nun analysierten ForscherInnen der FH St. Pölten nicht nur die technischen Möglichkeiten
von Chips genauer, sondern setzten diese gleichzeitig in Bezug zur Lebenssituation von
SeniorInnen. Dabei zeigte sich, dass mithilfe von Chipkarten einerseits die Schaffung
gänzlich neuer Anwendungen möglich ist. Andererseits können aber auch Abläufe an
Selbstbedienungsgeräten durch geringe Adaptionen bedeutend vereinfacht werden.

Chips für alle Fälle
„Schon ein einfacher Fahrkartenkauf kann zur virtuellen Odyssee ausarten. Bis zu neun
Auswahlmöglichkeiten müssen entschieden werden, bevor das Ticket gedruckt wird. Mit
Zusatz-Anwendungen ausgestattet, könnten selbst herkömmliche Chipkarten die zur
Auswahl stehenden Optionen wie Fahrziel, Tarifermäßigung oder Ticketanzahl auf jene
reduzieren, die vom Nutzer regelmäßig gewünscht werden. So werden SeniorInnen dann
mit einem Tastendruck das wirklich gewünschte Ticket kaufen. Statt Zeit mit lästigen
Irrfahrten durch verwirrende Submenüs zu verschwenden, können sie so entspannt dem
Reiseziel entgegenblicken“ erklärt Dr. Ernst Piller, Projektleiter und Leiter des Instituts für IT
Sicherheitsforschung. Die Anfang 2011 erscheinende Machbarkeitsstudie zeigt aber auch,
dass die Chips zu multifunktionalen Helfern ausgebaut werden können: Im Haus kann eine
solche Chipkarte zum Wohnungsschlüssel werden und nebenbei eine automatische
Netzfreischaltung veranlassen. Das bedeutet, dass sich beim Verlassen des Hauses
bestimmte, vorher definierte Geräte automatisch ausschalten. Dies erhöht das
Sicherheitsgefühl, wenn man außer Haus ist. Aber auch als „Ernährungsberater“ taugt die
Chipkarte: Eingeführt in Barcode-Lesegeräte des Einzelhandels, erlaubt sie es,
Produktinformation mit individuellen Ernährungsbedürfnissen in Beziehung zu setzen. So
kann das Gerät z.B. bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit vor dem Kauf eines
bestimmten Produktes abraten.

Aber selbst zum autonomen Notfallshelfer kann der Chip aufgerüstet werden. Mithilfe einer
speziellen Sensorik misst ein Chip dann medizinische Daten von SeniorInnen und
vergleicht sie mit zuvor eingespeicherten Grenzwerten. Werden diese überschritten, wird
ein Warnsignal ausgelöst. Das ermöglicht nicht nur die frühzeitige Erkennung von
gesundheitlichen Problemen, sondern fördert auch den selbstverantwortlichen Umgang mit
der eigenen Gesundheit. In einer weiteren Ausbaustufe könnten Alarmsignale auch an
Dritte versendet werden. Durch Kopplung mit einer Positionsbestimmung würde es
Rettungsdiensten im extremen Notfall sogar möglich werden, eine Person ohne deren
Zutun zu orten und zu retten.

Sicher unterwegs am Datenhighway
Ohne die Speicherung personenbezogener Daten ist eine individuelle Hilfestellung nicht
möglich. Das ist den Studienautoren durchaus bewusst. Deshalb widmeten sie einen Teil
der Studie dem Schutz dieser Daten vor unautorisiertem Zugriff. Eine mögliche Lösung
sehen sie in der Biometrie: Der Chip identifiziert dabei seine BesitzerInnen anhand
biometrischer Daten, wie dem Fingerabdruck. Bei Bedarf gewährleistet er jedoch auch
einen freien Zugang zu bestimmten vordefinierten Informationen. „In allen Fällen muss klar
geregelt sein, wer eigentlich auf welche Daten zugreifen kann, damit die Privatsphäre der
SeniorInnen nicht verletzt wird“, gibt Dr. Piller zu bedenken. „Ethischen Aspekten wird
daher in unserer Studie besondere Bedeutung beigemessen.“

Trotz vielfältiger Anforderungen an technische Möglichkeiten und ethische Ansprüche ist
nach Einschätzung der Autoren die erweiterte Nutzung der Chip-Technologie ökonomisch
sinnvoll. Geringen Produktionskosten von derzeit zirka einem Euro pro Chip steht ein
vielfältiger Nutzen gegenüber – sowohl persönlich, als auch volkswirtschaftlich.

Die zukunftsträchtigen Perspektiven der Chipkarten-Technologie sind Thema einer
öffentlich zugänglichen und kostenfreien Konferenz der FH St. Pölten in Kooperation mit
dem gemeinnützigen österreichischen Chipkartenverband ASA, am 26. Januar 2011.
Dabei werden die Ergebnisse des von der FFG im Rahmen der Programmlinie benefit
geförderten Forschungsprojektes präsentiert und der effiziente Einsatz von Chipkarten aus
Sicht der Forschung und Wirtschaft diskutiert. So ebnet die Fachexpertise der FH St.
Pölten den SeniorInnen ihren Weg in eine mühelose High-Tech-Zukunft.

Pressetext zum Download verfügbar unter:
http://www.fhstp.ac.at/ueberuns/presse/presseaussendungen

Kontakt FH St. Pölten:
FH-Prof. Univ.-Doz. DI Dr. Ernst Piller
Fachhochschule St. Pölten
Leiter Institut für IT Sicherheitsforschung
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E ernst.piller@fhstp.ac.at
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