
Das Bonner Frauenmuseum präsentiert vom 28. Mai bis 21. Juli 2013 die Geschichte der SPD-Frauen anlässlich des 150. Parteijubiläums. Neben Text-Bild-Elementen werden in der Ausstellung historische Plakate zur SPD-Frauenpolitik gezeigt sowie Karikaturen, Autogrammkarten und originelle Reminiszenzen von einzelnen Politikerinnen. Es wird ein Bogen von den ersten politischen Frauenrechten über den langen Kampf gegen den § 218 bis zur heute propagierten Chancengleichheit gespannt. 29 SPD-Politikerinnen werden vorgestellt, darunter die Parteitheoretikerin Rosa Luxemburg, die Gründerin der AWO Marie Juchacz, die Widerstandskämpferin Johanna Kirchner, die Juristin Elisabeth Selbert, die für die Gleichberechtigung im Grundgesetz kämpfte. Einige hatten als erste Frauen bedeutende politische Funktionen inne, wie die Ministerin Martha Fuchs, die Oberbürgermeisterin Louise Schroeder, die Präsidentin des Bundestags Annemarie Renger, die Ministerpräsidentin Heide Simonis und Jutta Limbach, die erste Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts.
Die Geschichte der SPD-Frauen zeigt, wie beharrlich Frauen ihr Vorwärtskommen in der Politik und ihre Einflussnahme auf das öffentliche Leben erkämpft haben. 1863 durften Frauen bei der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, die als Geburtsstunde der SPD gilt, nicht mitwirken. Das Vereins- und Versammlungsrecht verbot Frauen fast im ganzen Deutschen Reich politische Tätigkeit. Die Satzung der SPD von 1890 ermöglichte es den Frauen jedoch Delegierte zu Parteitagen zu entsenden. 1904 richtete der Parteivorstand unter Leitung von Ottilie Baader ein zentrales Frauenbüro ein. Damit konnte die sozialistische Frauenbewegung schon früh auf Strukturen zurückgreifen, um die bürgerliche Frauen lange kämpfen mussten. Offiziell durften Frauen erst seit 1908 in politische Parteien eintreten.
Die SPD setzte sich im Laufe ihrer Geschichte immer wieder für die Rechte der Frauen ein. Erwähnenswert ist vor allem ihr Engagement für das Frauenwahlrecht. Auf diesem Gebiet leistete sie Pionierarbeit, allen voran August Bebel. Hervorzuheben ist hier Clara Zetkin, die sich auch mit sozialistischen Frauen aus anderen Ländern vernetzte. Auf ihre Initiative geht der Internationale Frauentag als gemeinsamer Kampftag, zunächst für das Frauenwahlrecht, zurück.
Mit der gleichberechtigten Beteiligung von Frauen sah es nicht immer rosig aus. Zwar wurde schon 1908 festgelegt, dass die Frauen proportional zu ihrer Mitgliederzahl – aber mindestens mit einer Frau – im Parteivorstand vertreten sein sollten, aber dieser Proporz blieb nicht immer gewahrt. Die Diskussion um die innerparteiliche Gleichstellung mündete schließlich 1988 in eine Quotenregelung. Die SPD beschloss nun auf Druck der ASF (Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen), eine Geschlechterquote von mindestens 40% für alle Ämter und Mandate in ihr Statut aufzunehmen.
Seit den 60er Jahren gab es die ersten Bundesministerinnen, erstmals 1961 unter der CDU und ab 1966 bei der SPD während der Großen Koalition. Zunächst hatten die Frauen „nur“ das Gesundheitsministerium, später kamen die Bereiche Familie und Jugend hinzu. Als einzige Frau im Kabinett hatten die meisten Ministerinnen keinen leichten Stand. Mehrere Ministerinnen schieden nach einer Legislaturperiode aus bzw. schmissen das Handtuch.
Der Aufstand vor allem junger Frauen seit Ende der sechziger Jahre markierte den Beginn einer neuen Phase der Frauenpolitik innerhalb der SPD. Sie setzten sich in erster Linie für eine eigenständige Organisation in der Partei, für eine Reform des § 218, ein neues Eherecht, verbesserte Bildungschancen und die Eingliederung der Frauen in den Beruf ein. In jüngster Zeit stehen noch immer die Forderungen nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit, die bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Karriere sowie die Besetzung von mehr Schlüsselpositionen mit Frauen oben auf der Agenda.
Im Rahmen der Ausstellung werden auch sechs Künstlerinnen einen Beitrag leisten: Maria Giménez und Angelika von Stocki präsentieren Portraits von renommierten SPD-Frauen. Gimenéz zeigt Ölgemälde von historischen Persönlichkeiten, von Stocki bearbeitet Fotos zeitgenössischer Politikerinnen.Tina Schwichtenberg reiht in ihrem „Roten Frauensalon“ zehn Frauengestalten vor einem roten Teppich auf. Die ca. 120 cm hohen, gedrungenen Figuren aus asphaltgrauem Kunststoff, mit eingeritzten Stigmata und roten wie schwarzen Farbflecken, sind in ein starres Korsett durch Schrauben eingezwängt. Befreien sie sich? Auf jeden Fall spiegeln sie die geballte Kraft des vermeintlich schwachen Geschlechts. Marlies Obier installiert eine Klangstation. „Ins Freie. Blumen für Rosa Luxemburg“ thematisiert die Gefängnisaufenthalte der Politikerin. Marianne Pitzen stellt Skulpturen aus Zeitungspapier von Johanna Kinkel aus. Die frühe Demokratin und Frauenrechtlerin aus Bonn war um 1848 kulturell und politisch aktiv. Sie war die erste Redaktionsleiterin der „Neuen Bonner Zeitung“. 1851 emigrierte Kinkel mit ihrer Familie nach London. Ulla Schenkel zeigt einen eigens für die Ausstellung produzierten Wandteppich. In den Teppich sind u.a. Textildrucke, Zitate, und Liedzeilen eingearbeitet. Die Künstlerin widmet ihn den politisch aktiven Frauen.
Es erscheint ein Katalog.
VERNISSAGE
28. Mai 2013, um 19 Uhr mit Andrea Nahles (SPD-Generalsekretärin) und Dr. Barbara Hendricks (Schatzmeisterin der SPD), Marianne Pitzen (Direktorin Frauenmuseum Bonn) und Bettina Bab (Kuratorin).
Musikalische Begleitung: „Die Krähen“
Mehr zum Rahmenprogramm unter www.frauenmuseum.de
Bildrechte: Frauenmuseum Bonn
Weitere Informationen unter:
http://www.frauenmuseum.de