„Nicht beherrschbar“, „unkalkulierbar“, „in dieser Größenordnung eigentlich unmöglich“: Das waren die ersten Einschätzungen, während Jürgen Huhle ein ehrgeiziges Projekt plante – die größte Bio-Erdgas-Anlage Deutschlands. Doch als Unternehmer und zupackender Mensch steuerte er das ehrgeizige Ziel systematisch an und holte sich schon im Jahr 2007 wichtige Partner und Entscheidungsträger mit ins Boot. Der Ideengeber, Initiator und Gründer der AGRIDEA BioPower GmbH ging dabei von Anfang an prozessorientiert vor.
Gute Idee: Energie aus Biomasse
Biogas wird durch die Vergärung von Biomasse, in diesem Fall mit nachwachsenden Rohstoffen und Gülle von heimischen Landwirten, produziert. Es kann zur Erzeugung von elektrischer Energie, zum Betrieb von Fahrzeugen oder nach der Aufbereitung zur Einspeisung in ein Gasversorgungsnetz genutzt werden, wie es hier realisiert wurde. Um allerdings wichtige Entscheidungsträger, Partner und Gesellschafter davon zu überzeugen, 30 Millionen Euro in ein Projekt dieser Größenordnung zu investieren – und in diesem Zuge das Unternehmen Agridea BioPower GmbH zu gründen – musste für die gute Idee noch einiges an Prozessplanung betrieben werden.
Von Anfang an Entscheider überzeugen
Bereits in der Unternehmensplanungsphase begann Jürgen Huhle damit, Zusammenhänge, Projektanforderungen und Prozessdetails mit ViFlow zu dokumentieren. Schon seit mehreren Jahren hatte er Erfahrung in der Einführung und Nutzung von Prozesswerkzeugen. Die komplexen Anforderungen dieses Großprojektes gaben für ihn den Ausschlag für die Prozess-Software ViFlow, die er schon aus kleineren Projekten kannte:
– Die Darstellung der Abläufe und Prozesse sollte sowohl in der Präsentation als auch in der Bedienbarkeit leicht verständlich sein, da verschiedenste Entscheidungsträger aus Banken und Ämtern sowie Investoren, Gesellschafter und Mitarbeiter effektiv informiert und von Anfang an mit eingebunden werden mussten.
– Regelwerke wie zum Beispiel ISO oder andere Einflussfaktoren sollten zum richtigen Zeitpunkt integriert und „just in time“ abgerufen werden können, um deren Auswirkungen am Prozess darzustellen.
– Schnelle Anpassbarkeit, nachhaltige Erfassung von Änderungen und kontinuierliche und praxisnahe Optimierung der Prozessdetails waren für den Verlauf des Projektes entscheidend.
Eine neue Prozesslandschaft in Bewegung
„Oft wird eine Prozesslandschaft aus dem Detail entwickelt. Vorhandene Prozesse müssen aufgenommen und optimiert werden, gegebenenfalls muss noch eine Norm eingeführt werden. In unserem Fall gab es keine oder nur rudimentäre Basisprozesse aus kleineren Anlagen“, fasst Jürgen Huhle die Besonderheiten in der Planungsphase zusammen. „Hinzu kam, dass die Anlagenauslegung nicht nur in der Größe, sondern auch in der internen Bewirtschaftung einzigartig geplant war. Arbeitsprozesse mussten neu definiert werden. Die Betreibung der Anlage, die Logistik von An- und Ablieferung und der allgemeine Unternehmensaufbau (Positionen, Personen, Verantwortungsbereiche uvm.) mussten komplett neu angelegt werden“, erklärt Biogas-Pionier Jürgen Huhle einige der Herausforderungen.
Agil und flexibel bleiben!
In der Umsetzungsphase wurden Anpassbarkeit und Flexibilität von ViFlow auf Herz und Nieren getestet. Huhle und sein Team erarbeiteten eine Prozessmanagementumgebung, die ständig durch neue Faktoren, Standards, Regeln und Details optimiert wurde. Ein Prozessverantwortlicher wurde bestimmt und weitere Mitarbeiter mit der Entwicklung von Detailprozessen, wie beispielsweise Verfahrens- und Logistiktechnik, betraut. „Dadurch, dass jeder Beteiligte die ganze Prozessumgebung kannte und sich darauf beziehen konnte, wurden die Prozesse zu einer lebendigen Notwendigkeit statt zu einem notwendigen Übel“, resümiert der Unternehmensberater über die Implementierung der Prozesse.
Großprojekt in kleinen Schritten
So konnte der Unternehmens- und Qualitätsmanagementberater von Anfang an alle notwendigen Informationen in verständlicher und überzeugender Form präsentieren und teilen. Er legte plausible und nachvollziehbare Abläufe und dazugehörige Daten an und passte sie im Beisein von Entscheidern an hinzu kommende Faktoren an. In Situationen wie Bankgesprächen, Genehmigungsverfahren und Lieferantenauswahl war das ein wichtiger Vorteil und machte „Betroffene“ zu „Beteiligten“.
Einmal Prozessbegleitung von A bis Z und Schritt für Schritt zum eigenen Biogaspark: Hier wurden nicht nur vorhandene Prozesse abgebildet, sondern Unternehmensentwicklung, Prozessablauforganisation und Prozessdetailplanung erfolgten schon im Vorfeld mit erprobtem QM-Werkzeug. Für die prozessorientierte Entwicklung eines Projektes dieser Größenordnung hat sich ViFlow letztendlich als unentbehrlich herausgestellt, so das Fazit des Gründungsvaters Jürgen Huhle.
Info: AGRIDEA BioPower GmbH
Energie fürs Leben: Die AGRIDEA BioPower GmbH steht für modernste Biogastechnik mit Flexibilität. Durch den Einsatz intelligenter Anlagentechnik haben Landwirte die Möglichkeit, je nach Ertragssituation die Menge oder den Mix der gelieferten Biomasse anzupassen. Im Biogaspark Könnern, der vom Generalunternehmer und AGRIDEA-Gesellschafter WELtec betrieben wird, werden jährlich 120.000 Tonnen nachwachsende Rohstoffe und Gülle in 15 Millionen Normkubikmeter Biomethan umgewandelt. Weitere Informationen unter www.agridea.de.