Ein Tenor, der sich durch die Veranstaltung zog, war die Forderung nach Verlässlichkeit bei den rechtlichen Rahmenbedingungen. Oder wie Moderatorin Martina Neubauer vom Landratsamt München zusammenfasste: „Alle Beteiligten benötigen Rechtssicherheit bei den Aufenthaltsregelungen.“ Dies betonte, wie bereits HWK-Präsident Schlagbauer zuvor, Hubert Schöffmann, stellvertretender Bereichsleiter Berufsbildung der IHK München und Oberbayern: „Unternehmen und Auszubildende benötigen Rechts- und Planungssicherheit. Deshalb appellieren auch wir für das 3+2-Modell, das ein gesichertes Bleiberecht während der Ausbildung und mindestens zwei Jahre danach sicherstellen würde.“ Neben Forderungen nach gesicherten rechtlichen Rahmenbedingungen sei es aber auch Aufgabe der Kammern, das Bewusstsein zu schärfen und Betriebe fit dafür zu machen, junge Flüchtlinge als Auszubildende zu integrieren.
Die Praxisbeispiele des Tages zeigten, wie positiv die Integration junger Flüchtlinge, auch auf Grund ihrer oft sehr großen Motivation, in die duale Berufsausbildung verlaufen kann. Es berichteten ein Auszubildender, der mit 16 Jahren aus Afghanistan geflohen war, sowie ein Arbeitgeber aus dem Elektrohandwerk, der bereits junge Flüchtlinge durch ihre Ausbildungszeit begleitet hat. Zu diesem Gelingen trägt bei, dass einiges an institutioneller Unterstützung in Anspruch genommen werden kann, von ausbildungsvorbereitenden schulischen Angeboten bis zu Programmen der Agenturen für Arbeit oder der Kammern. Auch diese Angebote wurden im Laufe der Veranstaltung vorgestellt.
Manfred Warmbeim, für Berufs- und Ausbildung zuständiger Ministerialrat im Bayerischen Arbeits- und Sozialministerium, betonte, dass der dualen Berufsausbildung allgemein wieder mehr Selbstbewusstsein gegeben werden müsse. Ein Anteil von achtzig Prozent der 2030 fehlenden Fachkräfte seien solche mit Berufsausbildung. Eines der vom Ministerium identifizierten Handlungsfelder, um dem entgegenzuwirken, sei die Integration von Migranten und Zuwanderern in Ausbildungsberufe.
Die Facharbeitsgruppe Fachkräfteentwicklung des EMM e.V. beschäftigt sich mit vorhandenen, aber bisher verborgenen Potenzialen, die den Fachkräftemangel abmildern können. Dazu fanden in den vergangenen Jahren bereits Veranstaltungen zu den Themen „Qualifizierung älterer Mitarbeiter“ und „Berufsausbildung in Teilzeit“ statt, Die Veranstaltungsreihe wird fortgesetzt.