Rückblick: Auswirkungen der Sturmtiefserie im Januar

„Die Serie aus mehreren Sturm- und Orkantiefs innerhalb sehr kurzer Zeit ist ungewöhnlich. Deutlich wird dies an der bisher nicht gekannten Abfolge von gleich fünf Sturmfluten an der deutschen Nordseeküste,“ fassen die Unwetterexperten von MeteoGroup die Wettersituation zu Jahresbeginn zusammen. Mit leicht veränderten Parametern hätte eine sehr schwere Sturmflut passieren können.
Auswirkungen durch die Stürme
Durch den Sturm DANIEL kam es am Abend des. 8. Januar in Süddeutschland zu einigen, meist leichten Schäden in tiefen Lagen. Orkanartige Böen und Orkanböen beschränkten sich auf das höhere Bergland. Das Tief ELON verursachte vor allem in Schleswig-Holstein erhebliche Schäden: Zahlreiche Bäume stürzten um. Dächer wurden beschädigt. Die Feuerwehren im Land verzeichneten Hunderte Einsätze. In Nordhastedt im Kreis Dithmarschen wurde eine Tierauffangstation schwer beschädigt. In den meisten Landesteilen waren auch die Bahnstrecken blockiert.
Im Bereich des Orkantiefs FELIX traten Böen bis Orkanstärke nicht flächendeckend sondern eher sporadisch auf. Besonders an der Kaltfront gab es an einigen Wetterstationen Böen bis Orkanstärke. Erneut traten Schäden auf. Insgesamt wurden allein aus Schleswig-Holstein mehr als 1.500 Feuerwehreinsätze gemeldet. Nach Angaben der Provinzial-Versicherung trafen aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern 10.000 bis 12.000 Schadensmeldungen ein. Das entspricht etwa der Hälfte der Meldungen nach dem Orkan XAVER im Herbst 2013. Nur ein Großschaden wurde im Norden verzeichnet: In Großenaspe (Kreis Segeberg) wurde ein Turnhallendach abgedeckt, der Schaden belief sich auf rund 100.000 Euro.
Auswirkungen durch Sturmfluten
Vom 9. bis 11. Januar gab es fünf Sturmfluten in Folge. Nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie wurde dies erstmalig beobachtet. Vier der fünf Sturmfluten fielen leicht aus. Von einer leichten Sturmflut spricht man ab einem Wasserstand ab 1,50 Meter über dem mittleren Hochwasser. Von einer schweren Sturmflut ist ab 2,50 Meter über dem mittleren Hochwasser die Rede.
Mit Winddrehung auf West bis Nordwest auf der Rückseite des Tiefs FELIX wurde das Nordseewasser verstärkt gegen die Küste gedrückt. An zahlreichen Küsten wurde eine schwere Sturmflut registriert. Am frühen Morgen des 11. Januar traten an der Nordfriesischen Küste sowie im Bereich von Ems und Elbe entsprechende Wasserstände ein: Husum 2,73 m, Gandersum (Ems) 2,66 m, Cuxhaven 2,58 m, Otterndorf 2,72 m und Hamburg mit 3,03 m über dem mittleren Hochwasser. Das Wasser wäre noch höher aufgelaufen, wenn der Wind nicht im Laufe der Nacht nachgelassen hätte. So trat der Höchststand in Hamburg fast eine Stunde früher ein als zu erwarten war. Wenige Tage früher hätte es kurz nach Vollmond auch eine Springflut geben können. Die Sturmflut fiel damit etwa einen Meter niedriger aus als beim Orkan XAVER im Dezember 2013.
Auswirkungen durch ergiebigen Dauerregen: Hochwasser an der Ruhr
Am Rande der Sturmtiefs wurde mit südwestlicher Strömung zeitweise sehr milde Luft herangeführt. Auftretende Niederschläge fielen so bis in die höchsten Lagen der Mittelgebirge als Schnee. An den Westseiten der Mittelgebirge wurden größere Regensummen registriert. Im Bergischen Land fielen örtlich mehr als 50 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von 48 Stunden. Bäche und kleine Flüsse stiegen stark an. An der Ruhr in NRW wurden Uferwege und Wiesen überschwemmt. In Hattingen verzeichnete der Ruhrpegel von Donnerstag bis zum Sonntag einen Anstieg von mehr als 2 Metern. In Schleswig-Holstein wurde nur gut zwei Wochen nach dem schweren Weihnachtshochwasser an einigen Flüssen erneut Hochwasseralarm ausgelöst.
Hinter der Kaltfront des Orkantiefs FELIX wurde deutlich kältere Luft herangeführt. Nach den Temperaturrekorden vom Vortag setzte sich regelrechtes Aprilwetter mit zahlreichen Regen-, Schnee- und Graupelschauern durch. In den Schauern stellte sich örtlich extreme Glätte ein. In Norddeutschland ereigneten sich zahlreiche Unfälle mit Toten und Verletzten. Besonders deutlich war der Temperatursturz am Alpenrand. Nach der Rekordwärme vom Samstag mit 20,5 Grad meldete Piding an der Grenze vom Berchtesgadener Land zu Österreich nur noch einen Höchstwert von 6,6 Grad.
Die umfangreiche Verifikation der Sturmserie kann online eingesehen werden: http://www.unwetterzentrale.de/uwz/981.html
Weitere Analysen von herausragenden Wetterereignissen der Experten der MeteoGroup-Unwetterzentrale sind hier nachzulesen:
http://www.unwetterzentrale.de/uwz/221.html