RNZ: Rhein-Neckar-Zeitung, zu: Irak

Es war Obamas Vorgänger George W. Bush, der in
seinem größenwahnsinnigen Vergeltungsbedürfnis nach den
Terroranschlägen 2001 der Welt zwei Jahre später mit Lug und Trug den
gerechten Krieg“ gegen Irak andienen wollte. Denn die schon zuvor
eingeleitete Strafaktion gegen die Taliban in Afghanistan befriedigte
den Weltmacht-Präsidenten und dessen Administration nicht. Zwar wurde
aus dem scheinbar kleinen Krieg am Hindukusch inzwischen der große.
Umso mehr beeilt sich Nachfolger Obama, sein populäres Wahlverprechen
einzulösen und Amerika aus seinen militärischen Engagements zu lösen.
Der symbolische, vorzeitige Abzug der letzten Kampftruppen aus Irak
ist zwar noch nicht das Ende der Geschichte: 50 000 Amerikaner
schützen weiter US-Einrichtungen. Aber es ist, historisch oder nicht,
das Ende eines Krieges ohne Sieg, in dem Hunderttausende Iraker und
4400 US-Soldaten ihr Leben gelassen haben. Eines Krieges, der einen
brutalen Despoten und dessen Clique entmachtete, aber eben auch ein
Land mit seinen ethnischen und religiösen Gegensätze im Zustand des
latenten Bürgerkrieges zurücklässt. Es ist das vorläufige Ende eines
Krieges schließlich, der zum „Wahnsinnspreis“ von 2000 Milliarden
Dollar die Machtverhältnisse in Nahost nicht ordnete, sondern völlig
destabilisierte. Bittere Ironie der Geschichte: Nicht Saddams
inexistente Massenvernichtungswaffen bedrohten die Welt. Es ist heute
der Iran, der zum großen Nutznießer des Irak-Krieges wurde und erst
nach Saddams Ende seinen atomaren Ehrgeiz entfalten konnte. Selten
hat eine in ihrem Denken und Handeln militarisierte Außenpolitik ihre
Ziele so krass ins Gegenteil verkehrt. Und ein Fehler zieht den
anderen nach sich: Ohne das Irak-Abenteuer, das Amerikas Ansehen
nachhaltig beschädigte und seine krisengeplagte Wirtschaft weiter
schwächte, wäre die Vision, Afghanistan vom Terror zu befreien
vielleicht erfüllbar gewesen. Auch dieses Ziel kann nur noch
abgewickelt werden. Und auch dabei wird es keinen stabilisierenden
Sieg geben. Die Ära der militärischen und somit politischen
Überlegenheit endet auch für die letzte „alte“ Großmacht USA. Die
Waffen der neuen globalen Riesen wie China sind Geld, der Zugang zu
Ressourcen und eine – vorerst auf dem Rücken der Bürger –
ausgetragene Wettbewerbs-Überlegenheit.

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Manfred Fritz
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