Rheinische Post: Kommentar / Es geht um Macht = Von Thomas Seibert

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hat
es eilig. Er will sein Land aus der Abhängigkeit vom Öl befreien und
in den Kampf gegen den Rivalen Iran führen. Dazu braucht er starke
Partner – vor allem die USA und Israel. Dass der künftige König als
erster arabischer Spitzenpolitiker öffentlich das Existenzrecht des
jüdischen Staates anerkennt, markiert eine Zeitenwende. Doch geht es
nicht um Frieden, sondern um Macht und eine neue Blockbildung in der
Region. Ein Schönheitsfehler im Bild der neuen Welt des Nahen Ostens
betrifft das Schicksal der Palästinenser: Nach Trumps Vorstellung
sollen sie keinen eigenen Staat erhalten, sondern in einer Art
israelischem Protektorat leben. Der saudische Prinz scheint damit
einverstanden zu sein – das werden der Iran und die Türkei
auszunutzen versuchen. Am bedenklichsten ist jedoch die
Grundvorstellung vom epischen Machtkampf mit dem Iran. Verständnis
für die Sorgen der Iraner, die sich von Feinden umringt sehen, ist
nicht zu erkennen. Bin Salman schickt sich an, den Nahen Osten
aufzumischen – doch ob er Frieden bringt, steht auf einem ganz
anderen Blatt.

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