Jeder Fünfte Bundesbürger würde ein
Familienmitglied rund um die Uhr pflegen. Allerdings hat die
Bereitschaft der Deutschen zur umfassenden Betreuung ihrer
Angehörigen stark nachgelassen. So wollten vor fünf Jahren noch
doppelt so viele die Rundumpflege übernehmen. Auch der Anteil derer,
die ihren Familienmitgliedern die Unterstützung im Pflegefall
komplett verweigern, ist von rund sechs auf elf Prozent gestiegen.
Dies ergab die Studie „Kundenkompass Selbstbestimmung im Alter“ der
Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in Zusammenarbeit
mit dem F.A.Z.-Institut auf der Basis zweier repräsentativer
Bürgerbefragungen.
Vor allem bei den Beschäftigten in der Privatwirtschaft ist die
Bereitschaft gering, sich intensiv um ihre pflegebedürftigen
Angehörigen zu kümmern – hier würden lediglich 15 Prozent eine
Rundumpflege übernehmen. „Offensichtlich fällt es dieser Gruppe immer
schwerer, Beruf und Pflege miteinander in Einklang zu bringen“, sagt
Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. „Es ist daher richtig,
dass der Gesetzgeber hier aktiv werden will. Ein erster Ansatz ist
es, Berufstätigen durch eine Pflegeauszeit die Möglichkeit
einzuräumen, sich um ihre Angehörigen zu kümmern.“ So ist bei
Hausfrauen und -männern die Bereitschaft zur Pflege mit 27 Prozent
deutlich höher.
Konkrete Hilfsleistungen gefragt
Insgesamt werden in der Zukunft angesichts der demografischen
Entwicklung und sich verändernder Familienstrukturen immer weniger
Pflegebedürftige überhaupt auf die Unterstützung von Angehörigen
zurückgreifen können – darüber machen sich die Befragten keine
Illusionen. Sie wollen daher vorsorgen – und zwar vor allem, um sich
im Pflegefall Assistance-Leistungen finanzieren zu können. Dabei
rangiert die Haushaltshilfe mit 60 Prozent an erster Stelle. Mehr als
jeder Zweite will außerdem sparen, um sich eine bedarfsgerechte
Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch ein Nicht-Familienmitglied leisten zu
können. „Diese Zahlen beweisen: Die Bundesbürger wissen, dass sie in
der Zukunft auch im Pflegefall immer häufiger auf sich allein
gestellt sein werden. Es gilt nun, das Angebot an
Unterstützungsleistungen zu diversifizieren. Wir benötigen in der
ambulanten Pflege neue und kreative Angebote, die den
unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen der Menschen gerecht
werden und gleichzeitig eine qualitativ hochwertige Betreuung
sicherstellen“, so der ZQP-Vorstandsvorsitzende.
Hintergrundinformationen:
Die Marktforschungsinstitute COBUS aus Karlsruhe (Januar 2010) und
forsa aus Berlin (Mai und Juni 2010) befragten im Auftrag der
Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) rund 1.000
Bundesbürger über 18 Jahre zu ihren Standpunkten, Maßnahmen und
Plänen in Bezug auf die Selbstbestimmung und die Probleme im Alter.
Die beiden Gruppen der interviewten Personen repräsentierten jeweils
einen Querschnitt der volljährigen Bevölkerung in Deutschland. Die
Befragungen wurden in computergestützten Telefoninterviews
durchgeführt (CATI-Befragung).
Ãœber das ZQP:
Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) ist eine im November
2009 errichtete gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Berlin. Ziel der
Stiftungsarbeit ist die Wissenschaftsbasierung und strukturelle
Weiterentwicklung von Qualität in der Pflege sowie in der Versorgung
älterer und hilfebedürftiger Menschen.
Stifter des ZQP ist der Verband der privaten Krankenversicherung e.V.
Das ZQP ist die einzige derartige Einrichtung in Deutschland, welche
multidisziplinär und berufsgruppenübergreifend ausgerichtet ist. In
seine Arbeit bindet es ausgewiesene Experten aus Pflegepraxis und
Wissenschaft sowie Verbraucher und Patientenorganisationen ein. Ein
wesentlicher Schwerpunkt der Stiftungsarbeit ist die
wissenschaftliche Bearbeitung von bisher unzureichend geklärten
Fragestellungen rund um das häusliche Versorgungsgeschehen.
Pressekontakt:
Zentrum für Qualität in der Pflege
Ralf Suhr
Tel.: 030 7 2759395 0
E-Mail: Ralf.Suhr@zqp.de