In der Affäre um Tierquälerei-Vorwürfe gegen
Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen ergeben
sich durch eindeutige Filmsequenzen erhebliche Zweifel an den
eidesstattlichen Versicherungen der Landwirte. Darin hatten sie
beteuert, dass Filmaufnahmen von toten und schwer verletzten Tieren,
die das ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ am Montag (9.8.2010)
ausgestrahlt hatte, nicht aus ihren Ställen stammten. Beide Betriebe
gehören zur Putenerzeugergemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern, die in
enger wirtschaftlicher Beziehung zur Mastputenbrüterei Ahlhorn, dem
Betrieb der Familie Grotelüschen, stehen. Das Niedersächsische
Landwirtschaftsministerium hatte die beiden eidesstattlichen
Versicherungen gestern vorgelegt und Zweifel an der Authentizität der
Aufnahmen geäußert.
Die von Peta vorgelegten Filmsequenzen zeigen einen eindeutigen
bildlichen Zusammenhang zwischen identifizierbaren Außendetails des
Betriebs Voss & Stolle und verletzten Tieren in der Halle. Es handelt
sich um ungeschnittene Filmsequenzen. Stefan Bröckling, der
Kameramann von Peta, dessen eidesstattliche Versicherung „Report
Mainz“ vorliegt, hat diese Aufnahmen selbst gedreht.
Der Bruder von Gudrun Voss, der nach eigener Aussage in dem Stall
gelegentlich mitarbeitet, erklärte gegenüber einem Reporter von
„Report Mainz“ zu den Bildern toter und verletzter Tiere wörtlich:
„Dass sich Tiere gegenseitig anhacken und tot machen, das passiert.“
So etwas gehöre zu einem Mastbetrieb einfach dazu. Weiter wörtlich:
„Das machen die Puten nun mal gegenseitig so. Wenn die einen
Schwächeren haben, dann toben die anderen darauf los. Da können sie
nichts machen.“ Außerdem liegen dem ARD-Politikmagazin weitere
Aufnahmen vor, die einen bildlichen Zusammenhang zwischen
identifizierbaren Details des Betriebs Knops von außen und verletzten
Tieren im Inneren ergeben. Der Kameramann zeigt im Stall auch einen
Zeitungsauschnitt von Anfang Juli 2010. Die Landwirte hatten in der
eidesstattlichen Versicherung lediglich ausgeschlossen, dass die
Aufnahmen aus dem April stammen könnten.
Das Kreisveterinäramt Nordvorpommern teilte zudem mit, dass
Veterinäre in dem Stall der Firma Knops durchaus Mängel festgestellt
hatten. Wörtlich heißt es: „Die Verteilung der ein- und umgestallten
Tiere auf die Ställe kann bei weiterer Einhaltung der
bundeseinheitlichen Eckwerte zur Haltung von Mastputen in Bezug auf
die Besatzdichte optimiert werden. In einigen Ställen waren die
Fressplatzbreite und die Tränkplatzbreite nicht der aktuellen
Besatzdichte angepasst.“ Eine zu hohe Besatzdichte deutet darauf hin,
dass die Tiere zu eng im Stall zusammengestanden haben. Durch das
Veterinäramt wurde mittels Ordnungsverfügung die Beseitigung der
Mängel angeordnet. Knops dagegen hatte in der eidesstattlichen
Versicherung erklärt, ihm seien von Amtsveterinären keinerlei
Auffälligkeiten mitgeteilt worden.
Schließlich zitiert die Hannoversche Allgemeine den Landwirt heute
wie folgt: „Wie Volker Knops, Inhaber des Mastbetriebs erklärte, hat
sich Bröckling nachts illegal Zugang zu den Ställen verschafft. Dies
sei allerdings ein Kinderspiel gewesen, da die Türen der Ställe wegen
der Hitze offengestanden hätten.“
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an „Report Mainz“, Tel.: 06131/929-3351.