Die tödlichen Proteste in Talokan erschüttern das Konzept der Nachtangriffe, „Night Raids“, der internationalen Streitmacht Isaf in Afghanistan. Wie der „Spiegel“ berichtet, gelten bislang sie auch im Auswärtigen Amt in Berlin als das Mittel, das im Norden des Landes einigermaßen für Ruhe gesorgt hat. Doch nachdem in der vergangenen Woche vier Afghanen bei einem Nachtangriff erschossen worden waren, protestierten empörte Einheimische gewaltsam vor einem Außenposten mit deutschen und afghanischen Soldaten. Zwölf Menschen starben. Nach einer Darstellung der Isaf galt der Nachtangriff einem Unterstützer der „Islamischen Bewegung Usbekistans“, der im afghanischen Talokan vermutet wurde. Als Soldaten der Isaf und der afghanischen Armee sich dem Unterschlupf näherten, seien sie von einer Frau bedroht worden. Trotz „mehrerer mündlicher Warnungen“ habe sie eine Kalaschnikow auf die Soldaten gerichtet. Sie wurde erschossen, genauso eine weitere Frau und zwei Männer. Nach der Trauerfeier für die vier Toten war eine wütende Menge zum Camp der Deutschen gezogen. Einige Demonstranten warfen offenbar Handgranaten und Brandbomben. Daraufhin gaben deutsche und afghanische Soldaten Schüsse ab. Nach einer frühen Darstellung der Bundeswehr hatten die Deutschen nur auf die Beine oder in die Luft geschossen. Am Freitag hieß es, in drei oder vier Fällen hätten die Deutschen auch auf „den Rumpfbereich bzw. Arme und Hände“ gezielt. Zudem sei „ein Treffer im Hals-Kopf-Bereich nicht auszuschließen“. Drei deutsche Soldaten wurden bei der Attacke auf den Außenposten verletzt. Da die Isaf im Norden vor allem auf Nachtattacken setzt, steht nun das Sicherheitskonzept in Frage. Man braucht dafür die Akzeptanz der einheimischen Bevölkerung.
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