Deutschlandweit verzichten bereits über 460 Städte
und Gemeinden auf chemisch-synthetische Pestizide bei der Pflege
ihrer Grün- und Freiflächen und tragen somit zum Schutz von Bienen
und anderen Insekten bei. Seit 1. Dezember 2017 dokumentiert der Bund
für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) solche Kommunen in
einer interaktiven Karte. Vor einem Jahr wurde diese Karte mit damals
90 Städten und Gemeinden veröffentlicht, die Anzahl der
pestizidfreien Kommunen hat sich innerhalb eines Jahres verfünffacht.
„Viele Kommunalpolitiker wollen etwas gegen das Insektensterben
tun. Sie nehmen ihre große Verantwortung für Mensch und Umwelt ernst
und verbieten den Einsatz von Pestiziden auf ihren Flächen“, sagt
Corinna Hölzel, BUND-Pestizidexpertin und Leiterin des Projekts
„Pestizidfreie Kommune“. „Oftmals wird diese Entscheidung durch
insektenfreundliche Projekte begleitet, zum Beispiel werden
Rasenflächen mit heimischem Saatgut in mehrjährige Blühwiesen
umgewandelt.“ Auch auf den landwirtschaftlichen Flächen, die in
kommunalem Eigentum sind, tut sich etwas in Richtung Insektenschutz.
Immer häufiger nehmen die Kommunen Klauseln in die Pachtverträge auf,
die den Einsatz von Pestiziden verbieten oder reduzieren, so Hölzel.
Chemisch-synthetische Pestizide werden produziert und eingesetzt,
um Beikräuter oder ungewünschte Insekten zu vernichten. Sie schädigen
jedoch nicht nur diese Zielorganismen, sondern töten auch Nützlinge
wie Bienen, Schmetterlinge und Wildkräuter, die wiederum wichtige
Nahrungsquellen für Insekten sind. Das Insektensterben gefährdet
andere Tierarten, die sich von ihnen ernähren und beeinträchtigt
letztendlich die Lebensmittelproduktion für Menschen. „Rund zwei
Drittel der Kulturpflanzen sind auf Bestäuber angewiesen“, erklärt
Hölzel. Der monetäre Wert der Insekten-Bestäuberleistung in Europa
beträgt zurzeit etwa 22 Milliarden Euro pro Jahr und nicht zuletzt
hängen auch hunderttausende Arbeitsplätze in der EU an dieser
Leistung.
„In der Landwirtschaft, in den Kommunen und in Hobbygärten gibt es
umweltfreundliche Alternativen sowohl für Herbizide, wie das
Ackergift Glyphosat, als auch für Insektizide oder Fungizide.
Thermische oder mechanische Verfahren, stärkende Pflanzenjauchen,
resistente standortheimische Pflanzen, mechanische Entfernung von
Schadinsekten oder auch das altbekannte Jäten, sorgen für
Blütenpracht, Verkehrssicherheit und reiche Ernten, ohne nützliche
Insekten wie Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge zu gefährden.
Blütenreich und ohne Gift – das sollte das Motto aller Städte und
Gemeinden sein“, so die Pestizidexpertin weiter. „Unsere Städte
erfüllen viele Funktionen: Lebensraum und Spielplatz, Orte der
Erholung und Umweltbildung, Rückzugsgebiete für bedrohte Insekten wie
Wildbienen und Produktionsstätte für viele Lebensmittel wie Obst,
Gemüse und Honig. Gifte haben in dieser Umgebung nichts zu suchen.“
Viele Kommunen melden sich beim BUND mit der Bitte um Aufnahme in
die interaktive Karte. Einige BUND-Landesverbände oder Kreisgruppen
haben eine systematische Abfrage unter den Kommunen gestartet. So hat
zum Beispiel der Landesverband Sachsen alle 421 sächsischen Städte
und Gemeinden angefragt, ob Pestizide zum Einsatz kommen. 314
Kommunen haben geantwortet und 177 sind dort ganz oder teilweise
pestizidfrei.
Weitere Informationen: www.bund.net/pestizidfreie_kommune
Pressekontakt:
Corinna Hölzel, BUND-Pestizidexpertin, Mobil: 0175-4487691, bzw.
Judith Freund, BUND-Pressestelle, Tel.: 030-27586-497 (auch mobil),
E-Mail: presse@bund.net, www.bund.net
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