Die Zukunft des Private Banking in Deutschland wirft einige Fragen auf. Die gravierenden Einschnitte am Kapitalmarkt und die neuen Anforderungen haben einen zwingend notwendigen Konsolidierungsprozess eingeleitet. Viele Anbieter verschwinden in der Versenkung, andere werden sich im Markt für Private Banking neu etablieren und profilieren. Hierzu werden auch die genossenschaftlichen Institute sowie die Sparkassen zählen.
Aber alle werden mit neuen Rahmenbedingungen konfrontiert werden. Die aktuelle Standortbestimmung lässt allerdings durchaus große Chancen zu.
In Deutschland leben zirka 1,2 Millionen Personen mit einem liquiden Anlagevermögen von 250.000 Euro und mehr, die je nach Definition der Anbieter bereits als Private Banking Kunden in Frage kommen. Von Wealth Management Kunden im eigentlichen Sinne des Wortes, also mit Assets under Management von einer Million Euro und mehr, gibt es derzeit zirka 350.000 in Deutschland. Die Finanzinstitute erzielen im deutschen Private Banking Markt immer noch jährliche Erträge (Revenues) von mindestens neun bis zehn Milliarden Euro.
Hinzu kommt, dass der deutsche Private Banking Markt der größte Onshore Markt in Europa ist und mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von etwa fünf Prozent trotz Krise auch für Wettbewerber außerhalb Deutschlands weiter attraktiv bleibt.
Auf der anderen Seite haben sich beim Geschäft mit den Reichen recht große Verschiebungen ergeben, was insbesondere auch die Kundenansprache betrifft. Die eindeutige Premiumzielgruppe ist die Gruppe der Bevölkerung 50 plus. Mehr als die Hälfte der Kunden mit einem Vermögen von einer bis zehn Millionen Euro ist älter als 60 Jahre! Und besonders die Klientel mit einem Vermögen von einer bis zehn Millionen Euro trägt mit mehr als 37 Prozent erheblich zum betreuten Volumen der Banken bei. Wenn das kein Grund ist, die Senioren wesentlich stärker ins Visier zu nehmen.
In den Augen der Senioren hat die Wirtschaft bislang weitgehend versagt. Dabei sind die über 50jährigen nicht nur bei den Finanzdienstleistungen längst die heimlichen Könige unter den Kunden. Mehr als 30 Millionen Deutsche haben diese Altersgrenze bereits überschritten und die Gesellschaft altert weiter im rasanten Tempo.
Dass die Wirtschaft ihre alternde Kundschaft vernachlässigt, ist grob fahrlässig. Tatsächlich könnten die Senioren der Konjunktur einen ordentlichen Schub geben – wenn man sie nur ließe! Schon heute liegt die Hälfte des Geldvermögens auf Konten der über 50jährigen. Dennoch haben die neuen „Alten“ mit der sparsamen und vorsichtigen Kriegsgeneration nur noch wenig gemein. Aber die heimlichen Könige wollen endlich ernst genommen werden. Viel zu lange hat die Wirtschaft, auch die Finanzwirtschaft die jüngeren bis mittleren Bevölkerungsgruppen verhätschelt. Heute dämmert es vielen Unternehmen so langsam, dass sie etwas falsch machen. Doch ihre Annäherung an die alternden Kunden ist vielfach ungeschickt. Denn grundsätzlich sollten nicht die Senioren, sondern vielmehr deren Bedürfnisse angesprochen werden.
„Mit 17 hat man noch Träume, mit 50 erfüllt man sie sich“. Beispielsweise den von einer ledergepolsterten Harley-Davidson. Das Durchschnittsalter der Käufer dieser chromblitzenden 20.000-Euro-Maschine liegt bei 52. Auch jeder dritte Porsche geht an einen Turbo-Senior von durchschnittlich 57 Jahren. Getreu dem Werbeslogan für den 911 Carrera 4S: „20 Jahre nach dem Schulabschluss könnten Sie sich wieder mit der Kurvendiskussion befassen.“
In der letzten Phase des Arbeitslebens verfügen die deutschen Haushalte über den höchsten Betrag an Geldvermögen. So steigt das Geldvermögen je Haushalt von 9.300 Euro in der Gruppe der bis 25 Jährigen – gemessen am Alter des Haushaltsvorstandes – auf bis auf 68.200 Euro bei den 55 bis 65 Jährigen.
Für den vorliegenden bbw-Branchenreport „Private Banking mit 50 plus“ wurde im Herbst 2010 eine Befragung von Finanzdienstleistungsunternehmen durchgeführt, bei der insgesamt 117 Entscheidungsträger aus Kreditinstituten über ihre Einschätzung zur Entwicklung des Marktes für Private Banking speziell in der Zielgruppe 50 plus in den nächsten fünf Jahren befragt wurden.
Die Zielgruppe 50 plus ist im Private Banking nach Aussage von fast drei Viertel der im September 2010 befragten Finanzdienstleister die wichtigste Zielgruppe im Private Banking. Die vermögende Kundengruppe bis zu einem Vermögen von 10 Mio. Euro neigt eher zu strukturierten Produkten und ist an Aktien und Unternehmensbeteiligungen, festverzinslichen Anleihen sowie Barmitteln annähernd gleich stark interessiert. Die Superrechen dagegen, das Klientel mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Euro Anlagevermögen setzen dagegen deutlich weniger auf strukturierte Produkte. Aktien, Beteiligungen, teilweise festverzinsliche Anleihen interessieren diese Kundengruppe besonders. Allerdings gibt es dabei starke nationale Unterschiede.
Für Banken, die ihr Geschäftsmodell konsequent weiterentwickeln und am Kunden ausrichten, ist durchaus ein starkes Wachstum möglich. Künftige Regulierungsmaß-nahmen werden die Attraktivität des Private Banking für Banken noch erhöhen.
Die Studie Private Banking 2010/2011 gibt auf über 450 Seiten mit vielen Tabellen und Befragungsergebnissen Antworten zu den wichtigen aktuellen Fragen des Marktes:
> Zielgruppe Vermögende und Besserverdienende
> Private Banking Anbieterstruktur
> Erfolgsanalyse und erzielte Renditen
> Marktstruktur und neue Strategien
> Marktprognose
> Insbesondere auch Zielgruppe Senioren 50 plus
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