Revolutionen, Unruhen, Krieg – diese politischen Risiken sind kreditversicherten Unternehmen geläufig. Weniger bekannt ist, dass in der Kategorie „politisches Risiko“ bei Exporten auch das Transferrisiko zu berücksichtigen ist. Darauf weist die OeKB Versicherung anlässlich regelmäßig vorkommender Zahlungsverzüge bei Lieferungen nach Venezuela hin. Die OeKB Versicherung AG ist auf Schwellenländer spezialisiert und trägt das politische Risiko automatisch zu 100 Prozent – neben der Absicherung des wirtschaftlichen Risikos.
Das Transferrisiko entsteht durch Devisenknappheit im Land des Abnehmers. In diesen Fällen deponiert der Abnehmer zwar den Gegenwert in seiner Lokalwährung bei der Zentralbank, doch diese stellt die erforderlichen Devisen nicht oder erst sehr spät zur Verfügung.
Devisengenehmigung in Venezuela bremst Zahlungen
In Venezuela etwa warten Lieferanten aufgrund der Devisenknappheit immer wieder mehr als ein Jahr auf ihr Geld. Praktisch alle Geschäftsbeziehungen zu Venezuela leiden derzeit unter langen Zahlungsverzögerungen. Denn jede Zahlung in Devisen muss erst von der staatlichen Devisenbewirtschaftungsbehörde CADIVI (Comisión de Administración de Divisas) genehmigt werden.
Ein weiteres Beispiel für ein zumindest vorübergehendes Transferrisiko bot Weißrussland, als im Laufe des Jahres 2011 die Devisen knapp wurden – ein Land, wo Exporteure typischerweise kein politisches Risiko sehen.
In beiden Fällen deckt die OeKB Versicherung den durch das politische Risiko Devisentransfer entstandenen zwischenzeitlichen Verlust automatisch.
Transferrisiko auch im EU-Land Griechenland?
Helmut Altenburger, Vorstand der OeKB Versicherung AG, weist darauf hin, dass ein solches Risiko nicht einmal für EU-Länder völlig unrealistisch ist: „Aus heutiger Sicht kann zum Beispiel niemand wirklich sagen, was passiert, sollte Griechenland aus dem Euro aussteigen und zur Drachme zurückkehren. Es ist nicht auszuschließen, dass dann auch mit Devisenknappheit in Griechenland gerechnet werden muss.“
Zwar hält Altenburger dieses Szenario aufgrund der jüngsten Rettungsmaßnahmen für unwahrscheinlich. Dennoch sei es wichtig, das Zahlungsausfallsrisiko bei Geschäften mit griechischen Kunden aufgrund der aktuellen Lage kritisch zu überprüfen, betont Helmut Altenburger. Die OeKB Versicherung sehe nach wie vor keinen Grund dafür, die Deckung für griechische Risiken als Ganzes generell aufzuheben.
Weitere Informationen unter:
http://www.oekbversicherung.at