Parlamentarier stimmen für schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien / Greenpeace befragt 622 Bundestagsabgeordnete zum Energiekonzept

24.10. 2010 – Das Energiekonzept der
Bundesregierung fällt bei den Bundestagsabgeordneten durch, wenn es
nach ihrem Gewissen und nicht nach Fraktionszwang geht. Das ist das
Ergebnis einer Greenpeace-Umfrage unter den 622 Abgeordneten. Bei der
persönlichen Abstimmung haben sich 397 Abgeordnete aller Fraktionen
beteiligt. Die Mehrheit von ihnen (283) hat sich für eine
vollständige Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien bis zum Jahr
2050 ausgesprochen, sieben stimmten dagegen und 107 antworteten
ausweichend. Dem Programm der Bundesregierung zufolge, das kommende
Woche abschließend im Bundestag beraten wird, werden bis 2050 jedoch
nur 80 Prozent des Strombedarfs aus Erneuerbaren Quellen stammen, da
unter anderem die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert werden
sollen.

„Die Parlamentarier wollen ebenso wie die Bevölkerung einen
schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien als von der
Bundesregierung vorgesehen“, sagt Andree Böhling, Energieexperte von
Greenpeace. „Die Regierung setzt stattdessen auf längere Laufzeiten
für Atomkraftwerke und auf Kohlekraft. Dadurch wird der Ausbau der
Erneuerbaren Energien um Jahre verzögert. Das Energiekonzept ist vor
allem ein Geschenk an die vier großen Energieversorger in
Deutschland, deren Vormachtstellung mit Atom- und Kohlestrom über
Jahre gesichert wird.“

Greenpeace fordert Bundesregierung und Parlament auf, die
Laufzeiten der AKW nicht zu verlängern, sondern bis 2015 zu verkürzen
und eine vollständige Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien bis
2050 zu beschließen.

In der von August bis Oktober 2010 von der unabhängigen
Umweltorganisation Greenpeace durchgeführten Abstimmung wurden alle
622 Bundestagsmitglieder persönlich danach befragt, ob sie dafür
sind, „dass die Energieversorgung Deutschlands bis zum Jahr 2050 zu
100 Prozent aus Erneuerbaren Energien sichergestellt werden soll?“
Auch im Lager der Regierungsfraktionen von CDU/CSU und FDP gab es
eine Mehrheit für das Ziel, 27 Abgeordnete haben mit „Ja“ gestimmt
und sieben Abgeordnete mit „Nein“. 101 Abgeordnete gaben kein klares
Votum ab. Im Lager der Oppositionsparteien von SPD, Linke und
Bündnis 90/ Die Grünen gab es überhaupt keine „Nein“-Stimme. 256
Abgeordnete im Oppositionslager stimmten für einen schnelleren Ausbau
der Erneuerbaren Energien, sechs antworteten ausweichend.

Die aktuelle Umfrage unter den Parlamentariern deckt sich mit den
Ergebnissen einer Mitte Oktober von tns-emnid durchgeführten
Meinungsumfrage. Dabei sprach sich bereits eine deutliche Mehrheit
der Bundesbürger für eine hundertprozentige Versorgung mit
Erneuerbaren Energien aus. 86 Prozent der Befragten hielten es für
wichtig bis sehr wichtig, dass Deutschland seine Stromversorgung
vollständig auf Erneuerbare Energien umstellt.

Achtung Redaktionen: Rückfragen bitte an Andree Böhling, Tel:
01511- 80533 82 oder Pressesprecher Björn Jettka unter Tel:
0171-8780778.

Internet: www.greenpeace.de