Ostsee-Zeitung: Kommentar zur Afghanistan-Konferenz

Trotz aller Versuche, den Krieg zu
„afghanisieren“, wird Washington weiter seiner eigenen Agenda folgen.
Und die schließt eine Spaltung des Landes ganz nach dem
macchiavellistischen Prinzip „Teile und herrsche“ nicht aus. Nach
einer internen US-Studie könnte auf der Linie, die die
Taliban-freundlichen Paschtunen von den übrigen Völkerschaften
trennt, demnächst ein Eiserner Vorhang runtergehen. Das Land wäre
geteilt und Pakistan hätte seine Pufferregion, die es als
strategischen Rückzugsraum im Konfliktfall mit Indien begehrt. Der
Plan mag einigen US-Politikern gefallen – ganz nach dem Motto: Lieber
ein halbes Afghanistan ganz als ein ganzes Afghanistan halb. Doch
andere wissen, dass ein ähnliches Projekt schon einmal scheiterte –
nämlich im Vietnamkrieg. Auch damals gelang es den Amerikanern nicht,
den Süden als militärisches Bollwerk und politisches Gegenmodell zu
Nordvietnam in Stellung zu bringen. Mit dem US-Abzug zerfiel das
Staatsgebilde von Washingtons Gnaden.

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