Nutzfahrzeuge müssen Rückstand bei der Abgasreinigung aufholen

Pressemitteilung

Deutsche Umwelthilfe fordert anlässlich der IAA Nutzfahrzeug-Messe
die Autoindustrie und Politik auf, alle verfügbaren Technologien zur
wirkungsvollen Abgasreinigung einzusetzen – Neue Busse und Lkw müssen
mit Stickoxid- und Partikelfiltern ausgestattet werden – Noch haben
die meisten Nutz¬fahrzeuge eine völlig veraltete
Abgasreinigungstechnik – „Stand der Technik“ verspricht wirkungsvolle
NO2-Reduktion selbst bei niedrigen Abgastemperaturen – DUH startet
Kampagne, um den „Stand der Technik“ bei Baumaschinen und
Baufahrzeugen in öffentlichen Ausschreibungen als Standard
durchzusetzen – Bei Nichterreichen der EU-Luftreinhalteziele drohen
Kommunen hohe Strafzahlungen ab Juni 2011

Die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) fordert anlässlich der morgen
in Hannover beginnenden Nutzfahrzeug-Messe (IAA) die
Automobilindustrie und die Politik auf, endlich die
Schadstoffemissionen von Nutzfahrzeugen wirksam zu begrenzen. „Gerade
die an der innerstädtischen Luftverschmutzung überproportional
beteiligten Baumaschinen, Busse und Transporter werden vielerorts
über Ausnahmeregelungen von der Abgasreinigungspflicht befreit“,
sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Er forderte die
Hersteller auf, ab 2011 nur noch Fahrzeuge und Maschinen zu
verkaufen, die mit dem „Stand der Technik“ in der Abgasreinigung
ausgestattet sind. Städte und Gemeinden forderte Resch auf, keine
weiteren Ausnahmeregelungen für den Einsatz von veralteten
Baumaschinen zu erteilen und so ihrer Verantwortung für die
Luftreinhaltung nachzukommen. „Wenn die Unternehmen dem Motto der
Messe „effizient, flexibel, zukunftssicher“ folgen, wäre den unter
Feinstaub leidenden Menschen, der Umwelt und dem Klima geholfen“,
sagte Resch.

Die DUH unterstützt seit 2005 Bürger in besonders mit Feinstaub
und Stickoxid belasteten Gegenden bei der Durchsetzung ihrer Rechte
gegen die Kommune und das Bundesland. Vor dem
Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig und dem Europäischen
Gerichtshof hat die DUH Grundsatzentscheide erwirkt. Diese
ermöglichen es betroffenen Bürgern, wirksame Aktionspläne zur
Luftreinhaltung zu erzwingen, wie Gerichte u.a. in Stuttgart und
Hannover bestätigt haben. „Es ist ein Ärgernis ohnegleichen, dass der
normale Autofahrer nur mehr mit grüner Plakette voll mobil bleibt,
auf Baustellen oder im Busbetrieb aber ungefilterte Dieselfahrzeuge
im Einsatz sind. Mit dem Auslaufen der Übergangsfrist für die
Feinstpartikel PM10 muss eine Nachrüstoffensive für alle
dieselbetriebenen Maschinen und Fahrzeuge starten“, sagte Resch.

Die Europäische Union legt Immissionsgrenzwerte für Städte und
Kommunen fest, die sie mit verschiedenen Maßnahmen einhalten können.
Am wirkungsvollsten ist die Einführung von Umweltzonen. Bisher
wurden bei bestimmten klimatischen und geografischen Voraussetzungen
Ausnahmegenehmigungen für 18 Regionen erteilt, die am 1. Juni 2011
auslaufen. Danach drohen Strafzahlungen, wenn die Städte nicht
sinnvolle Maßnahmen zur Immissionsreduktion durchführen.

Baumaschinen sind für ein Drittel der verkehrsbedingen
Feinstaubemissionen in Städten verantwortlich und gefährden die
Gesundheit von Baustellenarbeitern und Anwohnern, wie Studien
belegen. Öffentliche Ausschreibungen verlangen jedoch bislang nur
sehr selten, dass Laster, Bagger und andere Baumaschinen mit einem
Dieselrußpartikelfilter ausgerüstet sind – also dem Stand der Technik
entsprechen. In der Schweiz sind Dieselrußpartikelfilter bereits
verbindlich festgeschrieben. „Die DUH wird mit ihren Partnern BUND,
NABU und Verkehrsclub Deutschland die Politik solange daran erinnern,
bis auch in Deutschland nur noch Baumaschinen mit Partikelfiltern zum
Einsatz kommen“, sagte Resch.

Die notwendige Technik zur Reduktion der Partikelemissionen ist
bereits seit Jahren auf dem Markt verfügbar. Auch die gleichzeitige
Reduktion von Stickoxiden in z. B. Linienbussen oder Nutzfahrzeugen
mit niedrigen Abgastemperaturen ist technisch nun möglich. Auf der
IAA werden neue Abgasreinigungstechnologien vorgestellt, die auch bei
niedrigen Abgastemperaturen – wie sie bei Linienbussen mit häufigen
Stopps typisch sind – eine wirksame Stickoxidreduktion bewirken.

Auch im Klimaschutz fordert die DUH mehr Anstrengungen von den
Nutzfahrzeugherstellern. Die Verbrauchswerte für Lkw werden nicht
standardmäßig erhoben, so dass die Hersteller vorhandene Potenziale
zur Verringerung des Kraftstoffverbrauches nicht ausschöpfen. Auch
gibt es bislang keine rechtlichen Vorgaben zur Steigerung der
Fahrzeugeffizienz, obwohl Nutzfahrzeuge ein Drittel des Verkehrs
ausmachen und den höchsten Wachstumstrend bei Neuzulassungen
verzeichnen. Die EU-Kommission hat im Mai 2010 zum ersten Mal einen
CO2-Grenzwert auch für schwere Nutzfahrzeuge als Ergänzung zur
bestehenden EURO-Norm gefordert. Im Herbst 2009 hatte die
EU-Kommission bereits einen Vorschlag zur CO2-Regulierung für leichte
Nutzfahrzeuge veröffentlicht. An der Diskussion um die Grenzwerte
beteiligen sich auch die deutschen Umweltverbände. Ihre
Hauptforderung ist die Festlegung eines Langzeitwerts von 125 Gramm
CO2 pro Kilometer.

„Die Kommission hat verstanden, dass das vorgegebene
CO2-Reduktionsziel von 20 Prozent bis 2020 nicht ohne einen deutlich
erhöhten Anteil aus dem Verkehrssektor erreicht werden kann. Nun
müssen dieser Erkenntnis schnell Taten folgen und für alle
Verkehrsträger angemessene Grenzwerte für CO2 und andere
Luftschadstoffe festgelegt werden“, forderte Resch.

Kühlfahrzeug mit Hybridantrieb

Eine weitere wichtige Innovation der IAA wird im Bereich der
Kühlfahrzeuge vorgestellt. Bisher fielen die Transportkühlfahrzeuge
eher durch ineffiziente und mit klimaschädlichen Kältemitteln
betriebene Kühlaggregate auf. Dieses Jahr wird auf der IAA weltweit
erstmals eine neue Hybrid-Invertertechnik für umweltfreundliche
Kühlfahrzeuge präsentiert. Die verlustfreie Invertertechnik regelt
alle Baugruppen der Kälteanlage automatisch auf die optimale
Drehzahl. Daraus resultiert eine bisher unerreichte Energieeffizienz.
Im Vergleich zu herkömmlichen Dieselkältemaschinen kann mit dem
Einsatz dieser neuen Technik 75 Prozent Treibstoff sowie 95 Prozent
Geräusch- und Abgasemissionen – bezogen auf die bisherige Technik –
eingespart werden. Es ist zudem die erste Kältemaschinenbaureihe, die
mit dem natürlichen Kältemittel Propen befüllt ist.

Alle Phasen des Schub- und Bremsbetriebs des Kühlfahrzeugs können
durch die Hybrid-Invertertechnik optimal zur Kälteerzeugung genutzt
werden. Die Energie steht dabei kostenlos zur Verfügung. Das neue
Hybridsystem nutzt zudem die zu kühlende Ware im Laderaum als
kostenloser Energiespeicher und spart damit eine zurzeit ca. 30.000
Euro teure Lithium-Ionen-Batterie ein.

Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer, Hackescher Markt 4, 10178
Berlin; Mobil: 0171 3649170, Tel.: 030 2400867-0, Fax: 030
2400867-19, E-Mail: resch@duh.de

Ulrike Fokken, Sprecherin Politik & Presse, Deutsche Umwelthilfe
e.V., Hackescher Markt 4, 10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-22, 0151
55017009, E-Mail: fokken@duh.de