Neues Deutschland: zum Ausgang der USA-Wahlen

An Bill Clinton hat es nicht gelegen. Der frühere
Präsident tourte im Wahlkampf durchs Land wie kein zweiter und
versuchte, das sich abzeichnende Debakel für seine Demokraten bei den
Kongresswahlen doch noch zu verhindern. Vergeblich. Dem triumphalen
Einzug von Barack Obama ins Weiße Haus folgte für die
Präsidentenpartei zwei Jahre später eine drastische Niederlage, auch
wenn am Ende eine knappe Mehrheit im Senat bleibt. Der
Hoffnungsträger wurde erbarmungslos abgestraft, und dank Clinton
wissen wir auch, woran es liegt: Die Wirtschaft macht–s, du Depp!
Wenn heute vier von zehn USA-Bürgern sagen, ihnen gehe es finanziell
schlechter als vor zwei Jahren, dann kreiden sie das seiner Regierung
an. Mit hanebüchener, aber wirkungsvoller Demagogie hat die Tea Party
am rechten Rand der Republikaner das auf über eine Billion Dollar
angewachsene Budgetdefizit zum Ausfluss eines Sozialismus à la Obama
umgedeutet und die Wut der Unzufriedenen bis hin zum irrationalen
Hass gegen den Präsidenten geschürt. Was den einen viel zu wenig an
versprochenem Wandel war, trieb die anderen zur konservativen
Gegenrevolution an die Wahlurnen. Obama mag trösten, dass Clinton
einst bei seiner ersten Zwischenwahl als Präsident sogar beide
Kongresskammern verlor und zwei Jahre später doch wiedergewählt
wurde. Die Frage ist nur, wie weit sein Nachfolger auf der Suche nach
der verlorenen Mitte nun selbst nach rechts rückt.

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