An mangelnder »Prävention« kann es kaum gelegen
haben. Seit rund zwei Jahren haben die USA in Jemen eine neue Front
im Kampf gegen den internationalen Terrorismus aufgebaut und Agenten
in das Land geschickt. 80 Milliarden US-Dollar hat Washington im
vergangenen Haushaltsjahr für die Geheimdienste bereitgestellt. Das
entspricht dem offiziellen Verteidigungshaushalt Chinas. Und dennoch
war es mutmaßlich lediglich der Wink eines saudi-arabischen
Geheimdienstlers, der den Anschlagsversuch auf zwei Frachtflugzeuge,
die gen Chicago unterwegs waren, vereitelte. Die USA-Dienste waren
bereits übertölpelt. Jemen zeigt wie auch der »Krieg gegen den
Terror« in Afghanistan, dass ein Konzept, das Repression zum
Kerninhalt und Entwicklung bestenfalls als Staffage führt, zum
Scheitern verurteilt ist. In Jemen laufen die USA ein besonders hohes
Risiko: Der Staat ist ohnehin schon auf dem Wege der Auflösung. Der
Norden wird trotz Waffenstillstandsabkommen immer wieder von
bewaffneten Auseinandersetzungen destabilisiert und im Süden
erstarken die sezessionistischen Tendenzen wieder. Jede Menge
politischer Raum, in dem sich Terroristen entfalten können. Und
topografisch bietet Jemen jede Menge schwer einseh- und einnehmbarer
natürlicher Rückzugsorte. Wer in Jemen Terror bekämpfen will, kommt
um den Aufbau langfristigen Stabilität nicht herum. Das ist alles
andere als einfach. Doch ohne die Grundvoraussetzung ist es
unmöglich: Eine mit der Bevölkerung rückgekoppelte und dort
verankerte Entwicklungsstrategie. Die fehlt, ob in Jemen, Afghanistan
oder Irak. So ist das Scheitern programmiert.
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