Wie oft schimpft man über Politikertypen, die
trotz erwiesener Unfähigkeiten an ihren Sesseln kleben. Warum also
brandet kein Jubel auf, wenn das Land jetzt von einer Aussteigerwelle
erfasst wird?
Es wäre unfair, nur auf die »Volkspartei« CDU zu zeigen. Was die
Christdemokraten mit Merz, Oettinger, Köhler, Koch und Beust sowie
mit den per Abstimmung hinfort- oder hochgespülten Landesfürsten
Rüttgers oder Wulff erleben, ist auch der »Volkspartei« SPD bekannt:
Scharping, Lafontaine, Schröder, Platzeck, Beck … Der
Unterschied: Die SPDler schmissen hin, nachdem sie an die
Parteispitze gelangt waren.
Da ist bei der CDU Merkel vor. Die Chefin ist alles andere als
integrativ oder tolerant. Sonst wäre sie schon längst ausgestiegen
worden. Nein, sie ist machtbewusst, hat Politik gelernt bei Kohl und
einen getreuen Wachhund ins Kanzleramt gesetzt, der aufpasst, dass
niemand unkontrolliert neben Merkel wachsen kann. Kein Wunder, dass
Leute zum Lückenschließen fehlen.
Doch das System Merkel allein reicht nicht aus, um die
Amtsmüdigkeit in der CDU zu erklären. Die rührt vermutlich auch aus
der Erfahrung, dass nicht Politiker, sondern die globalen
Wirtschafts- und Finanzmächte die wahren Regenten sind. Sie lassen
den Gestaltungsrahmen für Politik und Politiker immer enger werden.
Bevor sich Frust mit Lächerlichkeit paart, besinnt sich mancher
darauf, dass Politik nicht alles ist …
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